Nur das Meeresrauschen im Ohr

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Las aus ihrem Romanerstling: Die Kasseler Autorin Ida Grass in der Stadtbibliothek. Foto: Esterer

Kassel. Ein Mann muss her, denkt sich die Protagonistin Hanne Gellert, nachdem ihre Tochter Isabel das Haus verlassen hat, um in Marburg zu studieren. Also schmeißt sich die 45-Jährige an einen der Anwälte ran, in deren Kanzlei sie als Sekretärin tätig ist. Ja, Rechtsanwalt Ringwald soll es sein, ein Typ mit Augenschatten und langem Haar, das mit einem Lederband zusammengehalten wird.

Die Autorin Ida Grass, die im richtigen Leben Martina Graß heißt und als Anwältin arbeitet, stellte am Dienstag in der Stadtbibliothek ihren Roman „Hanne greift sich das Leben“ vor. Eingeladen hatte das „Literaturhaus Nordhessen“. Die Kasselerin las sechs Textpassagen und vermittelte dem Publikum schnell, dass Hannes Plan, sich Herrn Ringwald zu schnappen, eine fixe Idee ist.

Als die beiden zusammen im Zug sitzen, um in Frankfurt einen Gerichtstermin wahrzunehmen, setzt sich Hanne verzückt einen Kopfhörer ihres Gegenübers auf, kriegt aber nur das Meeresrauschen von Amrum zu hören. Etwas anderes scheint den Juristen nicht zu interessieren.

Darüber hinaus hat die Ex-Partnerin des Anwalts ein Verhältnis mit dem Ex-Partner von Hanne begonnen, was für diese bitter ist, hatte sie sich ab und an ganz gern mit Peter getroffen. Eisern bemüht, regelmäßig Sport zu machen und spartanisch zu essen, gelang es ihr, einige Kilos abzuspecken. Hanne meint, sie fühle sich gut und fit. Aber als sie während einer Autofahrt ihren einstigen Peter mit der neuen Angebeteten spazieren gehen sieht, gerät sie innerlich aus den Fugen. Zärtlich umarmt er eine Dame, die einer Kugel gleicht. Hanne bricht zusammen.

Wie diese Geschichte einer Frau, die sich selbst etwas vormacht, weitergeht, das verriet die Autorin nicht. Sie sagte, sie wolle vor allem unterhalten. Das tut sie, ohne jeden Zweifel.

Ida Grass: Hanne greift sich das Leben - Wenn Frauen zuviel wollen. Kuuuk Verlag, 308 Seiten, 16 Euro.

Von Gesa Esterer

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