Mehr Auswahl für die Jugend: Das Junge Theater in Göttingen

JT-Chef seit 2004: Intendant Andreas Döring. Foto: Szamborzki

Göttingen. Weibliche Roboter, böser Wortwitz, wütende Jugendliche und unpassende Kindernamen: Die Spielzeit 2012/13 wird im Jungen Theater (JT) in Göttingen schräg und vielfältig. Auf dem Programm stehen Komödien wie das futuristische „Ab Jetzt“ von Alan Ayckbourn, aber auch ernste und böse Stücke.

Inhaltlich setzt Intendant Andreas Döring zwei Schwerpunkte: Die Facetten des Erwachsen-Werdens und das Ringen um Macht. Er verzichtet auf Stücke zur Abitur-Pflichtlektüre, das Oberstufen-Programm wird zurückgefahren. Statt dessen stehen soziale und Familienthemen im Vordergrund, berichtet Döring. „Wir haben mehr die Bedürfnisse der Schüler als der Lehrer im Auge.“ So wollen die Theatermacher näher heran an die Lebenswelt der Jugendlichen. Zum ersten Mal gibt es mit „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ ein Stück, das sich an Zehn- bis Vierzehnjährige richtet, aber auch für Familien geeignet ist.

Für die Jüngeren bringt das JT „Heidi“ auf die Bühne und betrachtet die schuldbeladenen Familienverhältnisse aus Kinderperspektive - ganz ohne Alpenkitsch.

Eines der anspruchsvollsten Stücke für alle Altersklassen ist sicherlich „Wut“ von Max Eipp. „Ein Stoff, der auch in Göttingen spielen könnte“, verrät Döring. In der Geschichte über Toleranz, Zivilcourage und Generationskonflikte wird der Sohn einer gutbürgerlichen Familie von einem Mitschüler erpresst. Während sein Vater beim Versuch zu schlichten scheitert, lernt der 16-Jährige, sich zu wehren, und tritt damit eine Spirale der Gewalt los.

Um Macht und Deutungshoheit drehen sich einige Stücke für Erwachsene, die auch außerhalb der JT-Bühne gezeigt werden sollen. Döring hofft etwa, „Oleanna“ an der Uni zeigen zu können. Darin geht es um eine Studentin, die sich gegen sexuelle Belästigung durch ihren Professor wehrt.

Die neue Spielzeit nimmt zudem Abschied vom distanzierten Autorenblick. „Wir wollen die Innenwelt der Figuren zeigen“, betont Döring und verspricht „sinnliches Volkstheater“. Eröffnet wird die Saison mit Shakespeares „Wie es euch gefällt“ - verlegt in einen Szeneclub.

Die zwölf Premieren der neuen Spielzeit:

• 13. September: „Wie es euch gefällt“ (William Shakespeare)

• 20. September: „Ab jetzt“ (Alan Ayckbourn)

• 21. September: „Wut“ (Max Eipp)

• 21. Oktober: „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ (James Krüss)

• 28. Oktober: „Heidi“ (nach Johanna Spyri)

• 22. November: „Oleanna - ein Machtspiel“ (David Mamet)

• 1. Dezember: „Der Vorname“ (M. Delaporte, A. de la Patellière)

• 10. Januar: „Darüber reden“ (J. Barnes, F. Steiof)

• 17. Januar: „Tschick“ (nach Wolfgang Herrndorf)

• 19. Januar: „Das Interview“ (Theodor Holman)

• 9. März: „Zur schönen Aussicht“ (Ödön von Horváth)

• im Mai: „Feelgood“ (Alistair Beaton)

Karten: Tel. 0551/49 5015

Von Friederike Szamborzki

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