Elf Jahre nach letztem Album

Nie mehr krank und müde: Das Comeback der Libertines

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Selbsternannte Freigeister: Bassist John Hassall (von links), die Gitarristen und Sänger Carl Barât und Pete Doherty sowie Schlagzeuger Gary Powell sind The Libertines. 

The Libertines waren Englands letzte große Rock’n’Roll-Band - mit Drogen und allem was dazugehört. Elf Jahre nach ihrem letzten Album meldet sich die Band um Pete Doherty furios zurück.

Die Libertines sind ein Phänomen. Elf Jahre nach dem letzten Album veröffentlichen die vier Engländer jetzt „Anthems For Doomed Youth“ und haben es geschafft, während ihrer nur von einem kurzen Bühnen-Comeback unterbrochenen Pause stetig bekannter zu werden.

Das mag zu einem kleinen Teil daran liegen, dass die Indie-Rocker nicht geruht haben. Acht Alben haben Pete Doherty, Carl Barât, John Hassall und Gary Powell als Solokünstler und mit den neu gegründeten Bands Babyshambles, Dirty Pretty Things und Yeti veröffentlicht. Schlagzeilen machte aber vor allem Doherty, der eine Beziehung mit Supermodel Kate Moss einging und sich von einer Drogenentzugsklinik in die nächste schleppte.

Dass es jetzt zu einer neuen Platte reichte, die das reifste und beste Album der Gruppe ist, ist Barâts Initiative zu verdanken, der seinen Freund Doherty in einer thailändischen Reha-Klinik aufsuchte. In der Provinz Chonburi nahm die Gruppe 15 Lieder auf, von denen es elf auf das Album schafften.

Ankündigungen, den rohen, aber immer melodiösen Sound verändern zu wollen, haben die Libertines dabei nur bedingt in die Tat umgesetzt. Zwar klingen die Lieder unter Produzent Jake Gosling (Ed Sheeran, One Direction) deutlich glatter, die jugendliche Energie ihrer ersten beiden Werke haben die Mitdreißiger aber nicht verloren.

„Heart Of The Matter“ rumpelt sich gefällig zu einem Ohrwurmrefrain, die Single „Gunga Din“ wechselt zwischen Off-Beat-Reggae und Punkrock. Das schon seit Jahren als Demo im Netz kursierende „You’re My Waterloo“ hat mit dem Original fast nichts mehr zu tun. Doherty singt zu spartanischen Klavierklängen seine Liebeserklärung an Barât. Der intensivste Moment des Albums.

Das Auf und Ab ihrer Beziehung ist das Leitthema von „Anthems For Doomed Youth“. Es ist nicht weniger als schonungslose Selbstreflektion, wenn Barât im Titeltrack singt: „We thought that they we’re brothers, but they half-murdered each other.“ Immer auf der schmalen Linie zwischen inniger Liebe und Selbstzerstörung. So ist Doherty, so sind die Libertines.

Und darum ließ die Nachricht von zwei am vergangenen Wochenende abgesagten Konzerten einen Rückfall Dohertys befürchten. Dass es dazu nicht gekommen ist, ist vielleicht auch dem Entziehungshelfer zu verdanken, der den 36-Jährigen auf der Tour begleitet. „I’m sick and tired of feeling sick and tired“ singt Doherty in „Gunga Din“: Er ist krank und müde davon, sich krank und müde zu fühlen. Hoffentlich bleibt das so. Denn sonst verschenkt ein großes Genie sein Potenzial.

The Libertines: Anthems For Doomed Youth (Universal).
Wertung: fünf von fünf Sternen

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