Söhne Mannheims mit ihrem Programm „Ganz nah dran“ in der Kasseler Stadthalle

Mehr als Schmusesongs

Sie brachten die Massen auch ohne Naidoo zum Jubeln: Sänger Tino Oac (links) und Henning Wehland von den Söhnen Mannheims. Foto: Herzog

Kassel. Dass sie auch ohne ihr populäres Gründungsmitglied und Aushängeschild Xavier Naidoo Massen zum Jubeln bringen können, haben die Söhne Mannheims bei ihrem Auftritt in der gut gefüllten Kasseler Stadthalle am Sonntag bewiesen.

So richtig sicher schienen sich da die zwölf Musiker selbst nicht zu sein. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir fast jeden Abend vor ausverkauften Hallen spielen“, sagte Leadsänger Henning Wehland während der Show. „Das übertrifft alle unsere Erwartungen.“

Im Gegenzug wurde vielleicht auch so mancher Besucher überrascht. Wer geglaubt hatte, dass die Söhne Mannheims nur Schmusesongs ins Mikrofon säuseln können, wurde eines Besseren belehrt – auch wenn die Zahl der Pärchen im Publikum vermuten ließ, dass gerade diese Songs nicht ganz unerwünscht waren. Hits wie „Geh davon aus“ interpretierte die Band mit ungewohntem Groove, mehr Tempo und dominanten Beats. Auch tanzbare Nummern mit elektronischen Effekten hatten die Mannheimer im Repertoire.

Ohnehin schien es, als gebe es keinen Musikstil, bei dem sich die Band nicht schon bedient hätte. Klavierklänge mit bravem Gesang und Gangsta-Rap-Einlagen mit der Nähe zum Reggae schlossen sich bei dem „Ganz nah dran“-Programm ebenso wenig aus wie Elektroeffekte vom Keyboard und rockige Bass- und Gitarrensoli oder orientalischer Sound von der Mandoline.

Den lautesten Applaus gab es aber für die bekannten Radio-Balladen wie „Und wenn ein Lied“ oder „Vielleicht“ – auch ohne die prägnante Stimme von Naidoo. Sänger Tino Oac, mit erstaunlich ähnlicher Stimmfarbe, war ein würdiger Ersatz. Dreistimmige Passagen ließen gesanglich nichts vermissen.

Der Spaß, den die zwölf Mannheimer auf der Bühne hatten, übertrug sich unweigerlich auch auf ihr Publikum. Gab sich das bei der Nürnberger Vorband Segard noch mehr als zurückhaltend, ließ es sich von Wehlands Ansagen von Anfang an mitreißen. Nur an Textsicherheit fehlte es den Kasselern – die Band nahm es mit Humor.

Nach zwei Stunden Programm inklusive zweier Zugaben verabschiedeten sich die zwölf Söhne. Jedoch nicht, ohne sich beim jubelnden Publikum zu bedanken: „Das nächste Mal bezahlen wir euch dafür, dass ihr kommt.“

Von Verena Schulz

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