Mehr als nur Schunkelfutter: Die Kastelruther Spatzen in der Kasseler Stadthalle

Ein Idol für viele Volksmusikfreunde: Sänger Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen. Foto: Koch

Kassel. Würde der Südtiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer (1767 – 1810 ) heute leben, hätte er die Kastelruther Spatzen schon längst geteert und gefedert aus dem Lande gejagt. Denn Hofer kämpfte für die Abspaltung Südtirols von Bayern, und die Volksmusik-Combo aus der nördlichsten Provinz Italiens ist so deutsch, deutscher geht’s nicht.

Zumindest was die Sprache und die Themen ihrer Lieder betrifft. Das Glück der Familie, die Liebe zur Heimat und der Natur, Rechtschaffenheit, Ordnung und Religion. Themen, die immer noch am lautesten aus dem größten aller Bundesländer heraus kommuniziert werden.

Bei ihrem Konzert in der ausverkauften Kasseler Stadthalle präsentierten sich die Spatzen inmitten eines archetypischen Almhütten-Ambientes. Zwischen Eiche rustikal, Waschzuber und Kuckucksuhr agierten die sieben Lederhosenstars der Schlagerbranche mit routinierter Abgeklärtheit.

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Doch im Gegensatz zu manchen Kollegen haben die Kastelruther musikalisch etwas zu sagen. Ihr Sound ist zwar extrem weichgespült, doch hat Geschichte, Charakter und Ausstrahlung. Zwar plätschern des Öfteren wertkonservative Langeweile und kompositorische Banalität durch das Programm, doch die spannenden Momente überwogen.

Da gab es die sauber und variantenreich intonierte Solostimme von Bandleader Norbert Rier und den fantastischen Satzgesang mit dem Gitarristen Kurt Dasser. Die Bläserlinien und die Rhythmusarbeit wurden perfekt in Szene gesetzt und auch das dezente Auffüllen der Arrangements mit Keyboardakkorden funktionierte hervorragend. Alles live und ohne doppelten Boden.

Höhepunkte waren das traditionelle „Der alte Franz“ und die Ballade „Ein Leben lang“. Bei „Daheim in Kastelruth“ bewies das nordhessische Publikum, dass es beim Schunkel-TÜV keine Beanstandungen gab. Interviews mit Mike Krüger, Helene Fischer und Semino Rossi als Video- Einspieler während der Show zeigten die Spatzen von ihrer selbstironischen Seite.

Die modernen Lichtprojektionen über der Bühne dagegen wirkten gekünstelt. Das erinnerte an die alte Stoiber-Strategie, Tradition und Moderne auf Biegen und Brechen verlinken zu wollen. Das hatte auch schon bei ihm fast nie funktioniert. Zum Abschluss gab es kräftigen Applaus für einen kurzweiligen Abend der gepflegten Unterhaltung.

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