Regisseur Simon Verhoeven im Interview über die Fortsetzung seines Erfolgsfilms „Männerherzen“

„Mehr Tempo und Energie“

Mit über zwei Millionen Zuschauern gerieten seine „Männerherzen“ vor zwei Jahren zum Kino-Coup. Nun präsentiert Simon Verhoeven, Sohn von Michael Verhoeven und Senta Berger, die Fortsetzung seiner Beziehungskomödie. Wiederum ist er Autor und Regisseur. Erneut spielt sein Staraufgebot mit Christian Ulmen, Nadja Uhl, Florian David Fitz, Justus von Dohnányi und Til Schweiger. Am Donnerstag kommt „Männerherzen 2“ in die Kinos.

Wie groß ist die Angst vor der Fortsetzung, wenn das Original zwei Millionen Besucher hatte?

Simon Verhoeven: Ich wusste schnell beim Drehbuchschreiben: Das funktioniert. Ich hätte keinen zweiten Teil gemacht, wenn ich davon nicht überzeugt gewesen wäre. Ein aufgewärmter Abklatsch wäre absolut nicht mein Ding.

Kann man den Erfolgsdruck einfach ignorieren?

Verhoeven: Während der Arbeit ist man viel zu beschäftigt. Diese gewisse Nervosität fängt jetzt an, wenn der Film kurz vor dem Kinostart steht. Die Testvorstellungen machen allerdings Mut: Beim ersten Teil hatten wir 89 Prozent Zustimmung, diesmal waren es 96 Prozent. Das ist toll, denn normalerweise kommt die Fortsetzung schlechter an.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von „Männerherzen“?

Verhoeven: Damit hat niemand gerechnet - nur Til Schweiger hat nach der ersten internen Vorstellung gemeint: „Das wird was!“. Ich selbst war am meisten überrascht. Ich hatte so viele Jahre mit dem Projekt zu tun und etliche Rückschläge eingesteckt. Zu Beginn stieß die Idee keineswegs auf stürmisches Interesse, beim Schreiben wusste ich gar nicht, wer das überhaupt spielen würde. Aber ich wollte dieses Ding unbedingt machen - zur Not auch auf Video und mit ein paar Kumpels.

War die Zeit reif für eine Männer-Antwort auf „Sex in the City“ und Co.?

Verhoeven: Romantische Komödien werden immer aus Frauensicht erzählt. Das wollte ich ändern, ohne daraus eine plumpe Schenkelklopf-Männerkomödie zu machen.

Waren mehr Männer als Frauen in den „Männerherzen“?

Verhoeven: Das Geschlechterverhältnis war relativ ausgeglichen - was daran liegt, dass sehr viele Pärchen in den Film gegangen sind. Man konnte allerdings feststellen, dass an unterschiedlichen Stellen gelacht wurde, was nach dem Film für Gesprächsstoff sorgte. Romantische Aspekte sind dem weiblichen Publikum etwas wichtiger. Generell hat der Film Männern und Frauen aber gleich gut gefallen. Das ist selten.

Wie einfach war es, Ihre „Herzen“-Truppe nochmals zusammenzutrommeln?

Verhoeven: Von der Lust her war es kein Problem, aber organisatorisch umso mehr, weil alle natürlich noch andere Projekte haben. Ganz besonders galt das für Florian David Fitz: Den musste ich beim ersten Mal siebenmal zum Casting bitten, bis ich ihn durchboxen konnte. Inzwischen ist er ein Star, der selbst Regie führt. Der Drehplan war so eng und fragil, dass wir für unvorhergesehene Dinge keinen Spielraum gehabt hätten.

Bei Fortsetzungen von Hits verdoppeln sich in Hollywood gern die Gagen. Wie verhält es sich hierzulande?

Verhoeven: Alle sind besser bezahlt worden. Wobei die Schauspieler damals gar nicht ihre üblichen Gagen bekamen, sondern uns glücklicherweise entgegengekommen sind. Mit so vielen Stars wäre das nicht finanzierbar gewesen.

Wie kam es, dass Schnulzenstar Bruce alias Justus von Dohnányi diesmal so dick dabei ist?

Verhoeven: Bruce war ganz klar Publikumsliebling des ersten Teils. Ich wollte die Fortsetzung in eine noch komödiantischere Richtung bringen. Alles sollte mehr Tempo und Energie bekommen. Nun konnte man den Figuren die volle Spielfläche geben. Wer den ersten Teil mochte, wird den zweiten lieben.

Sie haben die Songs von Bruce selbst komponiert.

Verhoeven: Die Bruce-Berger-Nummer entstand durch die Hochzeit eines Freundes, auf der ich ein selbst geschriebenes Lied zum Besten gab. Ein parodistischer Schlager, der richtig gut ankam. Danach habe ich die Schlagerfigur Bruce Berger erfunden - dass Justus sie so grandios spielen würde, war gar nicht abzusehen.

Ist Ihr Vater nicht pikiert darüber, dass Ihre Komödie so viel mehr Zuschauer anlockt als seine ernsthaften Werke?

Verhoeven: Mein Vater ist stolz, weil er mich lange ermutigt hat, diesen Weg als Autor und Regisseur weiterzugehen - es gab Zeiten, wo ich nicht mehr daran geglaubt hatte. Er hat mal bemerkt, dass er verwundert sei, wie man mit einem Film so viele Zuschauer machen kann. Aber seine Filme wurden auf der ganzen Welt gesehen, das ist durchaus ein großes Publikum.

Ist es Fluch oder Segen, wenn man berühmte Eltern hat?

Verhoeven: Fluch wäre zu hart formuliert, aber man wird stets als Sohn wahrgenommen, selbst wenn man längst seinen eigenen Weg geht. Die Frage nach den Fußstapfen kommt in fast jedem Gespräch. Andererseits habe ich durch meine Eltern früh erfahren, dass Film Handwerk und Arbeit ist - und nicht nur nett lächeln und über den roten Teppich laufen.

Haben Sie einen dritten Teil bereits geplant? „Frauenherzen“ vielleicht?

Verhoeven: Da bin ich skeptisch. Momentan fehlen mir die zündenden Ideen - und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist.

Von Dieter Osswald

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.