Mehr als Vorlesen: Das Abschluss des Kasseler Komik-Kolloqiums

Brachten alle zum Lachen im Kulturzentrum Schlachthof: Die Schriftsteller Philipp Tingler (von links), Rebekka Kricheldorf, Anselm Neft, Ella Carina Werner und Jochen Schmidt. Foto: Socher

Kassel. Fünf Autoren, die alle humorvoll schreiben können - und jedes Mal offenbarte sich eine neue Nuance. Wie facettenreich und unterhaltsam das literarische Genre „komische Literatur“ sein kann, offenbarte am Samstag die Lange Lesenacht im Kulturzentrum Schlachthof zum Abschluss des Kasseler Komik-Kolloquiums.

70 Besucher amüsierten sich auch über die Art des Vortrags. Einfach vorlesen war gestern. Die meisten Autoren setzten ihre Stimme wie Schauspieler oder wie Kabarettisten ein, und zum Abschluss gab es mit Auszügen aus „Gotham City“ von Rebekka Kricheldorf sogar eine von Theateratmosphäre getränkte Vorstellung.

Den Auftakt machte der in Berlin als freier Schriftsteller lebende Anselm Neft mit Auszügen aus seinem Erzählband „Die Lebern der Anderen“. Er beschreibt in seinen Texten das, was er „in Berlin erlebt oder ihn fantasiert hat“. Zum Beispiel die überaus quälende Frage: „Wie muss die perfekte Grußformel für eine E-Mail an einen Unbekannten aussehen? „Gruß? Grüße? Viele Grüße?“ Bei einem Liebesbrief schreibt er: „Liebe Anna, dein Anselm.“ Das „dein“ habe er dann aber noch weggestrichen.

Dem lauten, ungestümen Neft folgte die zwar mit leisen Tönen, aber köstlich satirisch bissigen Inhalten operierende Ella Carina Werner aus Hamburg. In ihrer Prosa-Skizze eines Mannes, der sich einer japanischen Vagina gegenübersieht, heißt es: „Sie hatte Schamlippen wie Scheuklappen.“

Für die meisten Lacher sorgte darauf der Autor Jochen Schmidt, der nicht nur „auf Berliner Lesebühnen“ zu Hause ist, sondern auch „Mitglied der Autorennationalmannschaft pensionierter Fußballer“, wie Moderator Friedrich Block erklärte. Wie Schmidt Texte aus seinem Erzählband „Weltall, Erde, Mensch“ vortrug, das hatte etwas von der Aura eines Loriots.

Nach dem in Berlin geborenen und in Zürich lebenden Philipp Tingler, der Auszüge aus einem satirischen Ratgeber las, machte die auch am Kasseler Staatstheater operierende Rebekka Kricheldorf den Abschluss. Durch die Unterstützung der Dramaturgin Christine Barnard und einer Erzählerstimme vom Band wurde ihr Theaterstück „Gotham City“ zu einem dunkel schimmernden Vergnügen in Sachen Comic-Ästhetik. Viel Applaus für alle Autoren.

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