Mehr als nur ein Zirkus: Die Show „Mother Africa“ bot Akrobatik und Kultur in der Kasseler Stadthalle

Sie tanzten den Bühnenboden heiß: Akteure der Show „Mother Africa“ in der Kasseler Stadthalle. Foto: Socher

Kassel. Eigentlich ist „Mother Africa“ ein ganz normaler Akrobatik-Zirkus. Mit Schlangenmenschen, Balance-Künstlern, Stelzenläufern und Hochradfahrern. Das technische Niveau ist sehr hoch und die ganze Show perfekt inszeniert. Allein diese Parameter erklärten den guten Besuch in der Kasseler Stadthalle.

Doch genauer betrachtet ist „Mother Africa“ noch viel mehr als ein ganz normaler Akrobatik-Zirkus. Wenn die Djembe perlt, die Cora weint und die Lieder und Tänze von den Protagonisten in farbenfrohen Kostümen zwischen den einzelnen Vorführungen dargeboten werden, dann erschließen sich dem Publikum wesentlich komplexere Aspekte als die des reinen Entertainment.

Man weiß um die Zustände auf dem Kontinent. Krieg, Armut, Aids, die politischen Querelen. Und immer wieder fragt man sich, was zaubert diesen Menschen so viel Kraft und Lebensfreude in die Seele. Bei „Mother Africa“ bekam man das Gefühl: Hier bog nicht nur ein Artist seinen Körper durch einen engen Metallring, sondern da sagte jemand, dass Bewusstsein der Bewegung innewohnt.

Und auch die latente Untermalung mit Livemusik von der fantastischen Inafrica Band dokumentierte, dass man mit Rhythmus im Blut nicht nur das Diabolo virtuos kreisen lassen kann, sondern auch Freude und Energie im Leben findet.

Überhaupt drehte sich alles um Rhythmus. Egal ob der äthiopische Schlangenmensch mit seinem Körper Tiere nachformte oder die Ramadhani-Brüder aus Tansania Kopf auf Kopf einen Turm bauten - alles passierte im Scheinwerferlicht der Trommeln. Eingetaktet zwischen südafrikanischem Gambu Dance, einer Maskenbeschwörung und brillant gesungenem Afropop, stapelte man Menschen zu einer Pyramide, jonglierte Tische auf den Füßen und steppte den Bühnenboden heiß.

Gefangen in den Sitzreihen, zur Bewegungslosigkeit verdammt, nutzten die Zuschauer jede Gelegenheit, sich zumindest beim Applaudieren so emotional beteiligt wie möglich zu zeigen. Und darin war das Kasseler Publikum an diesem Abend Spitzenklasse.

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