Mehr als ein Zoten-Klopfer: Comedy-Macho Atze Schröder in der Eissporthalle

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Vom Zotenklopfer zum Entertainer gereift: Atze Schröder in der Kasseler Eissporthalle.

Kassel. Als Frisur, eine Art Vogelnest, am Handgelenk „eine Rolex, die ich auf Mallorca auf 40 Euro hochgehandelt habe“ und an den Füßen „Stiefel, für die 128 Wapiti-Hirsche ihre Vorhaut lassen mussten“.

Die Beschreibung passt auf? Richtig: Ruhrpott-Casanova Atze Schröder.

Am Freitag gastierte der Essener Kult-Prolo in der Kasseler Eissporthalle: Die Arme ausgebreitet schreitet er die Bühne wie ein Messias ab und wird von den 3800 Besuchern euphorisch empfangen. Seine Mission: „Revolution“. Die Begründung: „Ein Land, in dem acht Millionen Menschen, Bauer sucht Frau gucken‘, braucht eine.“

Das Kommen lohnte. Aus dem Zoten-Klopfer ist ein Entertainer geworden, der auf seiner „Bildungsveranstaltung“ mehr als nur Sprüche und eine große Klappe zu bieten hatte. Er kalauert nicht nur. Er schauspielert auch, erzählt kleine Geschichten, und das mit großartigem Timing und gelungener komödiantischer Dramaturgie. Schon die Einstimmung auf die Show zeugte davon.

Ein Radarsystem auf den Videowänden zeigte ein geortetes Flugobjekt. Sekunden später: Lärmendes Getöse, wie bei einem Absturz. Die Bühne öffnete sich und gab den Blick auf einen scheinbar abgestürzten Helikopter in Originalgröße frei. Dann kam er. Der selbsternannte Revolutionsführer Atze Schröder, der „einen motorisierten Höschenbefeuchter fährt“. Und ab geht die Post.

Es wird ein Scheibenschießen auf alles, was sich in der Show-, Klatschblatt- und Politbranche dreht .Luftholen, ist nicht nötig. „Der Loddar Matthäus, der denkt Silberhochzeit heißt 25-mal heiraten“. Die Politik? „Wir sind die einzige Regierung mit zwei Frauen an der Spitze“. Notruf: „Wir brauchen Eier. Wo sind die ganzen Kerle hin? Der einzige mit Eiern ist die Merkel“.

Weitere Konfliktherde: Waldorf-Kindergärten und Swinger-Clubs. „Wer war schon mal in so einem Club?“, fragt er grinsend und lässt das Saal-Licht anschalten. Aber Atze ist tolerant: „Ich bin ein Multi-Kulti. Ich höre mir beim Döner-Fritzen die ganze anatolische Kojoten- Hitparade an“.

Klingt alles nach typisch Atze. Der ist er zur Freude seiner Fans auch geblieben. Er spreizt sich wie ein Pfau, labert wie eine Dumpfbacke und gibt „unschlagbare“ Anbagger-Tipps: „Musste Clausthaler mit Cognac bestellen“. Doch der Mann auf der Bühne hat sich entwickelt. So manches ist unbestreitbar zur echten Komikerkunst gereift. Atze Schröder ist sich treu, aber nicht stehen geblieben. Tosender Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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