Johannes Oerding, sein neues Album und sein Traum vom Auftritt im Stadion

Nie mehr zweite Liga

Er hat die Melancholie zurückgefahren: Johannes Oerding macht auf seiner neuen Platte vor allem gutgelaunte Lieder. Foto: Presse Peter

Das mit dem Fahren auf zwei Gleisen ist ja kein Problem mehr. Wie man hört, ist es problemlos möglich, zwei Menschen gleichzeitig zu lieben, auch zwei Berufe sind schon Standard. Nur, lieber Johannes Oerding: Sowohl den HSV als auch den FC St. Pauli zu mögen?

Oerding, der aus Geldern am Niederrhein stammt, sagt: „Als Wahlhamburger stehe ich dazu, mich nicht entscheiden zu müssen.“ Er selbst hat es kickend nur bis in die Bezirksliga gebracht, heute spielt er jeden Montag mit Kumpels in der Halle. Was seine Musik angeht, spielt er einige Ligen höher.

„Ich bin in die deutsche Rockpop-Bundesliga aufgestiegen und auf gutem Wege, mich dort zu etablieren. Bei jeder Tour erreichen wir mehr Leute, und viele können inzwischen auch was mit meinem Namen anfangen.“ Was nicht nur daran liegt, dass der 31-Jährige seit vier Jahren mit Ina Müller liiert ist (seine Zweier-WG mit einem Kumpel möchte er trotzdem nicht räumen). „Wir treten unsere Liebe nicht breit, aber wir verstecken sie auch nicht so wie am Anfang.“

In erster Linie aber liegt das stete Aufstreben des smarten Oerding daran, dass ihm immer wieder diese griffigen Melodien einfallen. So auch auf seinem dritten Album „Für immer ab jetzt“. Der studierte Marketingfachmann, der sich von der Schülerband bis kurz unter die Top Ten gesungen hat (das Album „Boxer“ kam auf Platz 11), hat die Melancholie zurückgefahren und setzt verstärkt auf heitere Töne, wie in „Die dunklen Jahre“ oder „Mein schönster Fehler“.

„Es wäre ziemlich aufgesetzt, wenn ich jetzt das große Jammern anfinge“, so Oerding. „Ich bin glücklich in meiner Beziehung, ich bin glücklich mit meinem Leben und sehr zufrieden damit, wie es mit meiner Musik läuft.“ Aber natürlich gibt es auch Songs, in denen Johannes Oerding übers Scheitern singt. „Schreiben ist für mich Therapie. Manche Lieder sind schon vor einigen Jahren entstanden, aber selbst bei frischen Stücken kann ich mich durchaus in so eine leichte Durchhängstimmung versetzen, wenn es sein muss.“

Meist jedoch stehen Lebensfreude und die Lust am Aufbruch im Mittelpunkt des leicht konsumierbaren Poprock-Geschehens. Und das selbst dann, wenn das Lied aus „einem totalen Frustgefühl wegen des Hamburger Scheißwetters“ heraus entstanden sei - so wie die neue Single „Einfach nur weg“, die schön entspannt klingt und an Milow erinnert.

Johannes Oerding selbst wird freilich in nächster Zeit überhaupt nicht weg, sondern sehr präsent sein. Denn da gibt es noch diesen Kindheitstraum. „Ich will eines Tages in einem Stadion spielen, und zwar nicht als Teil eines Festivals, sondern allein. Nur ich.“ Ob dieses Stadion dann am Hamburger Millerntor oder aber im Volkspark steht, ist ihm herzlich egal.

Johannes Oerding: Nie mehr Zweite Liga (Columbia d/ Sony), Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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