Milton Welsh: „Mein Leben ist eine Achterbahn“

Er spielt den Guten: Milton Welsh als HipHop-Produzent Fusco (links) mit den Rappern Sido (Otis, Mitte) und Alpha-Gun (Adal) in Özgür Yildirims Kino-Erfolg „Blutzbrüdaz“. Fotos: Constantin/Schweigert

Bislang kannte man Milton Welsh nur von kleineren Film- und Fernsehrollen. Nun hat der aus Kassel stammende Schauspieler in der HipHop-Komödie „Blutzbrüdaz“ an der Seite des Rappers Sido einen großen Kino-Auftritt.

Wir sprachen mit dem 42-Jährigen über seine ungewöhnliche Karriere, seine Heimat und seinen Vater Uwe Welsch (66), der als Soul-DJ Mr. Brown in der Region bekannt ist.

Ey, Alter, wie geht es Ihnen?

Milton Welsh: Digga, mir geht es Bombe.

Ich sehe, Sie haben sich die HipHop-Sprache schon angeeignet. Dabei war Ihnen der Szene-Slang zunächst fremd, wie Sie nach dem Dreh zu „Blutzbrüdaz“ bekannt haben.

Welsh: Mir lag deutscher HipHop fern, das stimmt. Durch meinen Vater bin ich aber sehr musikaffin aufgewachsen und habe früh US-HipHop kennengelernt. Beim Dreh wunderte sich Sido, wieso ich so viele Amerikanismen verwende. Mit deutschem Rap und der Art und Weise, wie HipHopper hier sprechen, war ich nicht so vertraut. Das Wort „Alter“ hingegen kenne ich als Nordhesse gut. Wir sagen ja gern: „Ahler, hör mir uff.“

Haben Sie Sido, der zum ersten Mal vor einer Filmkamera stand, Tipps gegeben?

Welsh: Das brauchte ich nicht. Er ist auch als Musiker auf der Bühne ein toller Performer. Natürlich ist es etwas anderes, vor einer Filmkamera zu stehen. Aber er hat seinen Job sehr gut gemacht. Wahrscheinlich könnte er auch als Schauspieler Karriere machen. Ich glaube jedoch nicht, dass er das will. Der Dreh, bei dem man morgens pünktlich am Set sein muss, war die anstrengendste Zeit seines Lebens.

Sie spielen Fusco, der als HipHop-Produzent im Gegensatz zu den Plattenmultis für das Gute steht.

Welsh: Er ist ein Idealist und sehr bodenständig. Für mich ist es sehr angenehm, mal so jemanden zu spielen. Sonst bin ich wegen meiner Charakterfresse oft als Böser oder Underdog zu sehen.

Eigentlich haben Sie Koch gelernt. Wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden möchten?

Welsh: Ich habe nie Schultheater gespielt, aber schon von klein auf Charlie Chaplin und James Dean verehrt. Weil ich für die Oberstufe auf der Jacob-Grimm-Schule nur bedingt geeignet war, habe ich erst einmal eine Ausbildung zum Koch im Hotel Rothstein gemacht. Irgendwann war mir aber klar, dass ich nicht der Typ bin, der morgens um fünf aufwacht, weil er eine Idee für eine tolle Saucenkreation hat. Dann habe ich mich an Schauspielschulen beworben.

In Berlin hat es schließlich geklappt, trotzdem haben Sie die Ausbildung später abgebrochen.

Welsh: Ich wollte einfach mehr lernen und bin den Underdog-Weg gegangen, indem ich die Schauspielschule von Lee Strasberg in New York besucht habe. Zurück in Berlin, habe ich viel Theater gespielt und nebenbei als DJ Geld verdient. Als Resident DJ habe ich im „90 Grad“ Soul und Funk aufgelegt. Als alle nur noch DJ Milton zu mir sagten, habe ich einen Cut gemacht, denn ich wollte ja Schauspieler sein.

Das klingt, als hätten Sie harte Zeiten hinter sich.

Welsh: Es brauchte eine Weile, aber jetzt läuft’s. Auf „Blutzbrüdaz“ habe ich nur positive Reaktionen bekommen. Das wird sich auszahlen. Aber mein Leben ist eine Achterbahn. Im vergangenen Jahr war ich zum Casting in London. Ich hätte neben Brad Pitt in Marc Fosters neuem Film „World War Z“ spielen können, aber dann hat die Rolle ein Russe bekommen. So ist es, man steckt nie drin.

Welchen Bezug haben Sie noch zu Kassel?

Welsh: Ich bin leider nicht mehr oft da. Zum Kasseler Promitreff konnte ich nicht kommen, weil ich da gerade gedreht habe. Aber ich werde bald wieder nach Hause fahren, um meinen Vater und meine Großmutter zu sehen.

Mit Ihrem Vater haben Sie im Herbst zusammen in Saarbrücken aufgelegt.

Welsh: Ja, das war toll. Die 1500 Leute sind richtig abgegangen. Vielleicht machen wir das irgendwann wieder. Mein Dad ist einfach klasse.

Zur Person

Geboren: am 3. Februar 1969 in Kassel als Milton Welsch Ausbildung: zum Koch Beruf: Schauspieler Filme/Serien: "Schade um das schöne Geld", "Anna und die Liebe", "The Ghost Writer" (Polanski) Privates: Vater dreier Kinder, geschieden, lebt in Berlin Kurioses: Das C im Nachnamen hat Welsh gestrichen, weil er oft in den USA dreht

Von Matthias Lohr

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