Zwei Siegerinnen beim U20-Poetry-Slam in Kassel

"Meine Klasse ist ein Haufen Affen"

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Siegerehrung: Moderatorin Tahi Panahi (von links) überreicht Leonie Löwe-Krieg (1. Platz) und Alina Kripko (2. Platz) ihre Preise.

Kassel. „Ich stand noch nie vor einem Mikrofon. Außer einmal beim Krippenspiel. Aber das zählt nicht“, erklärte Alina Kripko zu Beginn ihres Vortrags. Dennoch trug sie ihre Texte selbstbewusst beim „U20 Slamrock“ Poetry Slam im Kulturhaus Dock 4 in Kassel vor.

Nachdenkliche Töne zu der Frage „Wer will ich eigentlich sein?“ und eine Geschichte über einen Kirmesbesuch. Kripko zog ins Finale ein, machte am Ende den zweiten Platz und gewann ein Schoko-Fondue-Set.

Den ersten Platz und damit eine Sortier-Box für ihren Schreibtisch gewann Leonie Löwe-Krieg. Sie überzeugte das Publikum mit Gedanken zum Thema „Danke sagen“ und mit einer Persiflage auf ihren Schulalltag. Trotz bissigem Humor blieb am Ende ihrer teils gereimten Geschichten ein versöhnliches Ende. „Meine Klasse ist ein Haufen Affen, meine Klasse ist verrückt. Aber ohne jeden Einzelnen fehlt ein Stück“, hieß es da etwa.

Zehn junge Talente unter 20 Jahren kämpften in dem Autorenwettstreit um die Gunst des Publikums. Das entschied per Applausabstimmung, wie ihnen die Texte gefielen. Themen waren unter anderem: Die Welt aus Sicht eines Fischs, der Menschen als „Wasseraffen“ wahrnimmt (Lara Ledderhose), die Schönheit aller „ersten Male“ im Leben (Marvin Seeligmann) und die „Generation Yolo“, die mit Helden wie Spider-Man und Harry Potter aufgewachsen ist (Leonie Löber).

Durch das Programm im mit 20 Zuschauern etwa halbvollen Saal führte Moderatorin Tahi Panahi. Als Gast außerhalb des Wettbewerbs sorgte Jakob Kielgaß aus Marburg für gute Unterhaltung. In seinem Schmähgedicht „An dich, den Fahrraddieb“ hieß es etwa: „Welch asozialer Sodomist. Welch Menschenhändler, eben nur für Räder. Welch pervers verstörter Übeltäter. Gib Acht, wer immer du auch bist. Begleiter sei dir Tag für Tag die Pest, noch besser Cholera. Und bringen soll dich in den Sarg mein Voodoo-Zauber und Zigeunerschwur.“ Deftige Töne, die Kielgaß aber mit einem Augenzwinkern vortrug. Dem Publikum gefiel’s.

Von Marc Hörcher

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