"Meine Triebfeder für Musik war Neid": Axel Prahl im Interview

Songs von anderen nachspielen können viele Schauspieler. Axel Prahl hat für sein Debüt jedoch eigene Lieder geschrieben. Mit den Rocknummern, sanften Balladen, Sauf-Chansons und Orchester-Arrangements ist „Blick aufs Mehr“ so unterhaltsam wie ein Münster-„Tatort“, mit dem Prahl Rekord-Quoten einfährt. Wir sprachen mit dem 53-Jährigen, der mit seinem Inselorchester am 8. September beim Vellmarer Sommer im Park gastiert.

Herr Prahl, als Ihr Album erschien, sagte ein Kollege: „Nicht noch ein Schauspieler, der singt.“ Doch dann war er begeistert von der CD. Können Sie verstehen, dass er skeptisch war?

Axel Prahl: Genau darum habe ich mich ja so lang nicht an die Öffentlichkeit gewandt. In Deutschland bekommt man so etwas immer gleich um die Ohren gehauen. In Frankreich, England und den USA zieht man die Grenzen zwischen den Gewerken nicht. Zumal diese Grenzen hinfällig sind: Auch Sprache ist Musik. Beides hat viel miteinander zu tun. Deshalb gibt es ja so viele Schauspieler, die singen oder Musik machen.

Schaut man sich Ihre Biografie an, wundert es einen, dass Sie nicht gleich Musiker geworden sind.

Prahl: Das wäre ich auch fast geworden. Mit meiner Band Impuls hatten wir sogar einen Auftritt bei NDR 2. Für den gab es 1000 DM. Das war nicht viel für vier Leute. Weil ich damals am Theater monatlich bereits 1000 DM bekam und ich kurz davor war, Vater zu werden, habe ich mich für die Schauspielerei entschieden.

Aber allein des Geldes wegen fängt man nicht an mit Musik und Schauspielerei.

Prahl: Stimmt. Meine Triebfeder für die Musik beispielsweise war Neid. Ich war acht, als ein Freund eine Gitarre geschenkt bekam. Er zeigte mir, was er schon alles konnte. Das hat mich genervt. Ich habe so lang meine Oma bekniet, bis sie mir auch eine Gitarre schenkte. Dass ich oft geblödelt habe und gern auf der Bühne stand, hat mit meiner Körpergröße zu tun. Als Kleiner gerät man leicht in den Fokus der Größeren, was nicht angenehm ist. Das habe ich kompensiert, indem ich forsch aufgetreten bin.

Sie haben Musik auf Lehramt studiert. Wie kamen Sie zur Schauspielschule?

Prahl: Ich war gerade exmatrikuliert worden, weil ich so wahnsinnig viele Scheine hatte und stand vor einem Berufsfindungsproblem. Eine Freundin, die schon auf der Schauspielschule war, sagte: „Mensch, du blödelst so viel rum, kultivier das doch und werde Schauspieler.“ Ich bin hingegangen, wurde genommen, und ein Jahr später war ich am Theater. Ohne den Rat meiner Mitbewohnerin wäre ich vermutlich nie Schauspieler geworden.

Ähnlich war es mit der Musik.

Prahl: Stimmt. Klaus Koch vom Berliner Musikverlag Buschfunk hat mich einmal in einer Bierlaune erwischt und mich dann festgenagelt, etwas gemeinsam zu machen. Immer wenn mir Entscheidungen schwer fielen, hat mir das Schicksal die Hand gereicht.

Warum bezeichnen Sie sich als „Sängerarbeiter“?

Prahl: Weil ich auch ein Schauspielarbeiter bin. Beides ist ein Handwerk, das man erlernen muss. Bestimmte theoretische Voraussetzungen muss man beherrschen. Nur muss man die hinterher wieder vergessen, damit es nicht nach Arbeit aussieht.

Mit Ihrem Kollegen Jan-Josef Liefers, könnten Sie nun im „Tatort“ singen wie einst Manfred Krug und Charles Brauer.

Prahl: Da sei Gott vor. Das haben die beiden Herren schon zur Genüge abgearbeitet.

Der „Tatort“ ist erfolgreicher denn je. Wie lang kann das mit dem Hype noch gut gehen?

Prahl: Ich habe keinen blassen Schimmer. Es ist einige Jahre her, als ich prophezeit habe: Wenn die ARD jetzt anfängt, in den dritten Programmen jeden Tag einen „Tatort“ zu wiederholen, wäre das der Tod der Reihe. Das Gegenteil ist eingetreten. Bisher ist da kein Ende in Sicht. Der „Tatort“ ist ja auch eine deutsche Tradition. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in eine Wolldecke gehüllt mit Oma vor dem Fernseher saß und mir schon bei der Titelmelodie fast in die Hosen gemacht hätte.

Von Matthias Lohr

Axel Prahl und das Inselorchester: Blick aufs Mehr (Buschfunk). Wertung: vier von fünf Sternen

Axel Prahl gastiert am 8. September beim Vellmarer Festival Sommer im Park. Festplatz, Brüder-Grimm-Straße, Tickets: 0561/203-204, www.piazza.ddticket.de

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