Television Personalities mit neuem Album und schönen Refrains

Meister des Abschieds

Melancholiker: Daniel Treacy von den Television Personalities. Foto:  nh

Eine Erinnerung ist besser als nichts / Eine Erinnerung ist besser als irgendetwas“: So singt Daniel Treacy, der Mann mit der überirdisch weggetretenen und unendlich einsamen Stimme. Ein Liebeskummerexperte. Ein lakonischer Meister des Sich-Entliebens: „There’s no beautiful way to say goodbye“ (Es gibt keinen schönen Weg, Lebewohl zu sagen). In solchen Gedanken kann sich jeder spiegeln. Doch zum Namen Treacy und dem seiner Band gehören noch ein paar andere Dinge: Collagen-Coverkunst, Nervenzusammenbrüche und Gefängnisaufenthalte. Post-Punk und Psychedelic. Genialer Dilettantismus, Beatles- und James-Bond-Fantum. Mit dem 1978 veröffentlichten, Englands Wochenendpunk-Gesellschaft durch den Kakao ziehenden Stück „Part-Time Punks“ landete die Band ihren größten Hit. Wer den vom Heroinkonsum gezeichneten Treacy letztes Jahr auf der Bühne sah - ein kaputtes Gespenst -, wundert sich über das Erscheinen eines neuen Albums. Und darf sich freuen, denn „A Memory Is Better Than Nothing“ ist das beste seit „The Painted Word“ von 1984. Ein bewegendes Meisterwerk im Geiste eines Neuanfangs. Im vorletzten Song heißt es: „It’s possible / Anything is possible“ (Es ist möglich / Etwas ist möglich). Ein Motto, das man umso lieber glaubt, als man zuvor ausschließlich Tempi flexibel wechselnde Popsongs gehört hat, fantasievoll und diskret mit Streichern, Bläsersätzen und Orgelsounds instrumentiert.

Es sind einfache, rasch zum Punkt kommende Stücke, mit wundervollen Refrains, Treacys charismatische Stimme im Zentrum. Man hört sie einmal und kramt gleich ein paar verwandte Lieblingsplatten hervor: „Nixon“ von Lambchop, „Texas“ von Nikki Sudden, Big Stars „Sister Lovers“, Daniel Johnstons „Fear Yourself“ und „The Soft Bulletin“ von den Flaming Lips.

Television Personalities: „A Memory Is Better Than Nothing“(Rocket Girl / Rough Trade). Wertung: !!!!!

Von Michael Saager

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