Drei neue CDs des Jazzpianisten Keith Jarrett

Der Meister der Improvisation

Seine Live-Auftritte sind legendär: Pianist Keith Jarrett. Foto:  dpa

Die Zusammenarbeit von Keith Jarrett und Manfred Eicher ist schon so etwas wie eine unendliche Geschichte. Mit dem Gespür des Wissenden legt der ECM-Produzent in Abständen alte und neue Aufnahmen der Piano-Legende aus den USA auf und trifft dabei immer wieder den Geschmack nicht nur der Jarrett-Gemeinde.

Für Jarrett gilt wie nur für wenige andere auch, dass seine Kunst im Auftritt liegt, nicht nur in dem, was er spielt. Jarrett hat einmal in einem Interview gesagt: „Du musst nicht gut finden, was du spielst. Du musst davon besessen sein, etwas zu spielen, was man bisher nicht gehört hat, was man selbst nicht erwartet.“ Jarrett ist zweifellos der Meister der Improvisation. Und dazu gehören die Bewegungen, die er vollzieht, wenn er spielt, die Emotion.

Doch da nicht jeder, der Jarrett hört, seine Konzerte besuchen kann oder konnte, gibt es Manfred Eicher und ECM. Und wer beim Hören die Augen schließt, der kommt dem Erlebnis Keith Jarrett doch ganz schön nah.

Die „Bregenz/München-Concerts“ zählen Kritiker bis heute zu den brillantesten Soloaufnahmen des 68-Jährigen. Sie sind jetzt in einem Box-Set mit drei CDs erschienen, die erstmals die gesamten Originalaufnahmen der ursprünglichen Vinylversion enthalten. Jarrett spielt bei diesen 1981 improvisierten Konzerten frisch und forsch, emotional, mit großer musikalischer Bandbreite. Besonders in Bregenz geht er ans Limit. „No End“ hat Jarrett 1986 in seinem Heimstudio aufgenommen, bisher undokumentierte Aspekte in seiner Musik. Er ist hier an elektrischen Gitarren, elektrischem Bass, Schlagzeug und Perkussion zu hören, wie er mittels Overdubs als One-Man-Band eigene Improvisationen spielt. Das Klavier spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Das Album „Spirits“, auf dem Jarrett 1986 ein ganzes Arsenal von Instrumenten zum Einsatz bringt, sorgte damals unter den Jarrett-Fans für kontroverse Diskussionen. Bei „No End“ wird das nicht anders sein. Trotzdem lohnt es reinzuhören, allein schon, weil das Album ungewöhnlich ist.

Ein ganz anderer Keith Jarrett präsentiert sich auf „Six Sonatas for Violin and Piano“, eine brillante Einspielung mit der Violistin Michelle Makarski. Jarretts Faible für Bach ist bekannt. Entgegen seiner Gewohnheit, fremden Stücken seinen eigenen Stempel aufzudrücken, verzichtet er bei den „Klassikern“ meist darauf. „Diese Musik bedarf in keinster Weise meiner Hilfe“, sagt er. Makarski kommt ihr breit gefächertes, stilistisches Interesse zugute. Sie setzt den richtigen Kontrapunkt zu Jarretts Dominanz. Der spielt übrigens erst das zweite Mal eine Aufnahme von Bach auf dem Piano und nicht auf dem Cembalo.

Keith Jarrett: Bregenz/München Concerts. Wertung: !!!!:

Keith Jarrett: No End. Wertung: !!!::

Keith Jarrett, Michelle Makarski: Six Sonatas for Violin and Piano. Wertung: !!!!!

Alle bei ECM erschienen.

Von Peter Fritschler

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