Der gebürtige Heinebacher F.C. Gundlach wird heute 85

Der Meisterfotograf

Das allererste Bild: Freundes-trio in Heinebach.

Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich Heinebach verließ“, erzählte F. C. Gundlach, als er 2008 in seiner Heimatgemeinde die Ehrenbürgerwürde erhielt. „Ich hatte nur einen Koffer dabei, mein Zug ging um fünf Uhr morgens, und ich bat inständig darum, dass mich niemand zum Bahnhof begleitete.“ Der Abschied aus dem nordhessischen Dorf - heute Ortsteil von Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) - war für Gundlach jedoch erster Schritt einer unvergleichlichen Laufbahn. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag.

Drei Dinge bedürfe es, um Karriere zu machen, sagte Gundlach jetzt im dpa-Interview: Talent, Fleiß und Fortune. „Ich habe auch viel Glück gehabt.“ Sein Biografie habe „doch sehr düster begonnen“. 1943 wurde der am 16. Juli 1926 in Heinebach geborene Franz Christian Gundlach eingezogen, als Luftwaffenhelfer wurde er verwundet und gefangen genommen.

Die Liebe zur Fotografie hatte ihm ein Onkel vermittelt, der eine Dunkelkammer hatte („ein Mirakel“) und ihm eine Agfa Box für fünf Mark schenkte, eine „Black Box“. Das erste Bild des Zehnjährigen ist bereits eine Inszenierung, ein Selbstporträt mit Bruder und Freund, das Trio sitzt auf einer Leiter. Auf der Website der F. C. Gundlach-Stiftung sind weitere Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Heinebach zu sehen, wo die Eltern die Gastwirtschaft „Zum Löwen“ führten.

Bald konnte sich Gundlach, nachdem er im Institut von Rolf W. Nehrdich in Kassel zum Fotografen ausgebildet worden war, den Luxus leisten, überall hinzufliegen: Rom, Paris, Kairo, New York. Als Fotograf für „Film und Frau“, „Brigitte“ und für die Lufthansa prägte Gundlach die Modefotografie der 50er- und 60er-Jahre: mit technischer Finesse, Inszenierungskunst, kühler, strenger Eleganz, Chic und Glamour. Stars wie Romy Schneider, Ruth Leuwerik, Nadja Tiller, Cary Grant und Sonja Ziemann vertrauten ihm: „Jedes Porträt ist ein Dialog, wenn man zusammenfindet, ist es wunderbar.“

Seit der ledige Gundlach den Fotoapparat nur noch zum Vergnügen nutzt, startete er weitere Karrieren: als Betreiber eines Foto-Dienstleistungsunternehmens, erster deutscher Foto-Galerist, Kurator, Professor in Berlin, Initiator der „Triennale der Photographie“ Hamburg und Gründungsdirektor des Hauses der Fotografie in den Deichtorhallen, als Fotohistoriker, Sammler und Stiftungsgründer: ein Meisterfotograf in vielen Belangen.

Wo er seine letzte Ruhe finden will, steht bereits fest: Gundlach hat auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf neben dem Grab seines Bruders ein Mausoleum für sich errichten lassen.

Von Mark-Christian von Busse

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