Staatstheater Kassel schließt die Spielzeit mit leichtem Auslastungs-Rückgang ab - 207 567 Besucher

„Meistersinger“ waren der Renner

Sie verlassen das Kasseler Staatstheater zum Spielzeitende: Chefdramaturg Horst Busch (oben, von links), Tänzerin Leyla Postalcioglu, Schauspieler Andreas Beck, Oberspielleiter Volker Schmalöer, die Schauspieler Christian Sprecher (unten von links) und Uwe Rohbeck, die Tänzer Sho Ikushima und Benjamin Block sowie Schauspieler Hans-Werner Leupelt. Fotos: Ketz (2)/ nh (2), Koch (3), Herzog, Fischer/nh

Kassel. Der größte Kraftakt der Saison war ein Erfolg: Das Kasseler Staatstheater hat Richard Wagners Mammutoper „Meistersinger“ auf dem Spielplan gehabt. 17 Solisten und 148 Chorsänger haben mitgewirkt, 26 Schreiner, Schlosser, Maler und Dekorateure haben drei Wochen lang gearbeitet, um das Bühnenbild zu bauen.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Die 4,5-Stunden-Oper, die neunmal gezeigt wurde (darunter eine öffentliche Probe), verzeichnet die stolze Auslastung von 82 Prozent. Und wird Spitzenreiter in der Beliebtheitsskala.

Zum Saisonschluss verzeichnet das Staatstheater aber insgesamt einen leichten Besucherrückgang gegenüber dem Vorjahr. 207 567 Besucher kamen zu 645 Vorstellungen, die Auslastung liegt bei 69,1 Prozent. Einen Auslastungsanstieg verzeichnen einzig die Konzerte, von 73 auf 81,6 Prozent.

Intendant Thomas Bockelmann wertet die Entwicklung als undramatisch. Die Rückgänge seien mit einer wegen der hessischen Schulferien kürzeren Spielzeit zu erklären. Im vergangenen Jahr hatten 227 000 Besucher 694 Aufführungen besucht. Das hatte einer Auslastung von 70,3 Prozent entsprochen.

Trotzdem sei diese, seine sechste, Spielzeit seine zweiterfolgreichste, so Bockelmann. Die starken Zahlen im Vorjahr seien auf das restlos ausverkaufte Sommertheater in der Karlsaue zurückzuführen, das es 2010 nicht gegeben hat. Die aktuelle Spielzeit endet an diesem Sonntag.

Im Musiktheater liegt die Auslastung bei 64,7 Prozent (Vorjahr: 69), zurückgegangen ist vor allem das Interesse am Musical. War der politische Hippie-Traum „Hair“ mit 88 Prozent noch Besucherrenner, konnte das Südseestück „South Pacific“ (64,2 Prozent) diese Spielzeit nicht daran anknüpfen. „Liegt am unbekannteren Titel“, so der Intendant.

Am wenigsten Besucher zog „La Clemenza di Tito“ an, nur zu 41 Prozent waren die Plätze in der Mozart-Oper mit den modernen Rezitativen von Manfred Trojahn belegt.

Im Schauspiel ging die Auslastung von 67 auf 63,8 Prozent zurück. Es punktete Schulstoff: Schillers Königinnendrama „Maria Stuart“ führt mit 89 Prozent die Hitliste an, gefolgt von der Figaro-Komödie „Der tolle Tag“ (67).

Nachdem der Publikumszuspruch im Tanztheater schon im Vorjahr um zwei Prozentpunkte gesunken war, hat sich dieser Abwärtstrend nochmals fortgesetzt: Das Tanztheater erzielte nur noch eine Auslastung von 55,4 Prozent (statt 58).

Besonders wenig Akzeptanz gab es für den im Opernhaus aufgeführten Tanzabend „Catcher“ mit DJ-Musik, er war nur zu 29 Prozent gefüllt. Bockelmann: „Es ist wichtig, dass wir im Tanz künftig wieder mit dem Orchester zusammenarbeiten.“ Das ist mit „Sheherazade“ für 2010/11 geplant.

Das Kinder- und Jugendtheater sorgte routinemäßig für volle Säle beim Weihnachtsmärchen „Dschungelbuch“ (93 Prozent), erfolgreich behauptete sich aber auch ein Stück auf der Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenentheater: Das Gangsterdrama „Bonnie & Clyde“ ezielte 83 Prozent.

Noch mehr Publikumsbindung durch mehr Einführungsveranstaltungen, besser auf Zuschauerbedürfnis zugeschnittene Abonnements und - wenn sich Sponsoren finden - wieder ein Sommertheater - so sehen die Strategien für die neue Spielzeit aus, sagt Thomas Bockelmann.

Von Bettina Fraschke und Werner Fritsch

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