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Oli Hilbring gewinnt Deutschen Cartoonpreis 2022

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Von: Kirsten Ammermüller

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Der 1. Platz: Oli Hilbring zur Transgender-Debatte und Gender-Pay-Gap. Cartoon: Oli Hilbring/Caricatura
Der 1. Platz: Oli Hilbring zur Transgender-Debatte und Gender-Pay-Gap. Cartoon: Oli Hilbring/Caricatura © Privat

Deutscher Cartoonpreis 2022 in Kassel verliehen – Oli Hilbring ausgezeichnet

Kassel – Wenn der Chef nach der Geschlechtsumwandlung des Mitarbeiters Martin zu Martina sofort das geringere Gehalt im Kopf hat, dann ist das vielleicht überspitzt, aber dennoch messerscharf kombiniert. Der Bochumer Zeichner Oli Hilbring wurde am Freitagabend bei der Vergabe des Deutschen Cartoonpreises für sein Werk mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Der Preis wird vom Lappan Verlag und der Frankfurter Buchmesse vergeben und ist mit insgesamt 6 000 Euro dotiert (1. Platz: 3 000 Euro, 2. Platz 2 000 Euro und 3. Platz 1 000 Euro).

„Ein kleines Meisterwerk mit dem Zeug zum Klassiker“, nannte Martin Sonntag, Geschäftsführer der Caricatura in Kassel, das Werk von Hilbring in seiner Laudatio bei der Verleihung. Diese fand zum zweiten Mal in Kassel statt und wurde mit Unterstützung der Cdw-Stiftung von der Caricatura im Gleis 1 im Kulturbahnhof ausgerichtet. Moderator war der Cartoonist und Stand-up-Comedian Piero Masztalerz. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass eine gute Pointe überraschen müsse, wie zum Beispiel, indem zwei Themen zusammengebracht würden, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hätten. Und Hilbring selbst? Eigentlich könne er als „Schalker“ gar nicht mit dem ersten Platz umgehen, witzelte der Zeichner, der unter anderem in der Sportzeitschrift Reviersport veröffentlicht und den Cartoon-Blog „Schön Doof“ betreibt.

Angesichts der zahlreichen Krisen in 2022 kam vielleicht doch gelegentlich der Gedanke auf, bis wohin darf gelacht werden? Die Preisträgerin von Platz zwei hat eine einfache Antwort. Das von Wissenschaftlern entschlüsselte außerirdische Signal enthält eine klare Botschaft an die Menschheit: „Ihr seid solche Pimmel“. Dazu sagt die Jury: „Dorthe Landschulz hat es mit diesem Cartoon meisterhaft und komisch auf den Punkt gebracht: Die Multikrise ist zurückzuführen auf menschliches Versagen“. Und wer hat nicht als Kind schon gelernt, dass man vor allem über sich selbst lachen können muss?

Platz drei geht an den Schweizer Cartoonisten Silvan Wegmann, der mit seiner Zeichnung den Finger in die Wunde der hochgelobten Freiheit des Westens legt. Totalitäre Staaten sperren ihre Kritiker ein, nur allzugerne echauffiert sich die Gesellschaft hierzulande – doch was ist mit Wikileaks-Gründer Julien Assange? „Eine Karikatur, die schmerzt, die aber auch dazu beiträgt, mutige Menschen nicht zu vergessen“, so die Jury.

Zum ersten Mal wurde auch ein mit 1 000 Euro dotierter Publikumspreis mit Unterstützung der Stadt Kassel vergeben. Die volle Satirekompetenz hätten die Besucher der Ausstellung „Beste Bilder 2022“ in der Caricatura unter Beweis gestellt und ein Thema gewählt, das sehr schmerzhaft ist, bei dem es aber keine unterschiedlichen Perspektiven geben kann, wie Kulturdezernentin Susanne Völker in ihrer Laudatio betonte: Der Missbrauchs-Skandal der katholischen Kirche wird von dem Cartoonistenteam Jandré (André Sedlaczek und Jan Bargfrede) pointiert zur Schau gestellt.

„Beste Bilder 2022“ bis zum 5.2. in der Caricatura caricatura.de

3. Platz: Silvan Wegmann. Cartoon: Silvan Wegmann/Caricatura
3. Platz: Silvan Wegmann. Cartoon: Silvan Wegmann/Caricatura © Privat
Publikumspreis: Cartoonistenteam Jandré (André Sedlaczek und Jan Bargfrede). Cartoon: Jandré/Caricatura
Publikumspreis: Cartoonistenteam Jandré (André Sedlaczek und Jan Bargfrede). Cartoon: Jandré/Caricatura © Privat
2. Platz: Dorthe Landschulz. Cartoon: Dorthe Landschulz/Caricatura
2. Platz: Dorthe Landschulz. Cartoon: Dorthe Landschulz/Caricatura © Privat

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