Melancholie mit Lächeln: Chansonnier Stephan Sulke in Vellmar

Einer der Großen: Stephan Sulke im Piazza. Foto: Zgoll

Vellmar. Fast genau zwei Jahre ist es her, dass Stephan Sulke im Vellmarer Piazza mit besinnlichen Chansons und humorvollen Zwischentönen das Publikum zu begeistern wusste. Der November scheint sich für ihn als Konzertmonat besonders zu eignen, denn die Atmosphäre fallender Blätter, früher Dunkelheit und verregneter Straßen findet sich in vielen seiner Lieder. Unter dem Begriff Melancholie stapelt er aus Gefühlen und Beobachtungen poetische Kartenhäuser, die oft in sich zusammenfallen und Liebe, Mut und Aufbegehren unter sich begraben.

Doch Sulke verhindert mit weiser Gelassenheit und zärtlicher Bewunderung für seine Textfiguren einen harten Aufprall und ummantelt seine Geschichten mit warmen Piano-Jazzakkorden der alten Schule. So schwingt Heiterkeit durch das Scheitern und mancher Kalauer sorgt für ausgelassene Stimmung. Das er mal mit „Uschi“ auf den blödelnden NDW-Zug aufspringen wollte und bei „Den einen noch“ den Harald Juhnke mimte, lässt ihn heutzutage über sich selbst schmunzeln. Beide Songs hat er am Start, und beide erfreuen sich großer Beliebtheit.

Doch das traurige, rührende Moment liegt ihm mehr. Bei „Heute seid ihr alle eingeladen“ oder „Der Typ von nebenan“ mischen sich sein Fazit einer bald endenden Karriere und langjährige Charakterstudien zu einem erwärmenden musikalischen Getränk. Da wird kein Trübsal geblasen, sondern Erfüllung verkündet und dem Leben gehuldigt.

„Ich versteh nichts von Politik, doch ich weiß, dass wenn jemand Hunger hat, man ihm ein Stück Brot reichen sollte.“ Sulke ist kein Revolutionär, kein Aufwiegler. Doch ganz leise sorgt er dafür, dass man begreift, dass es im Leben nicht nur um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse geht.

Am Ende hinterließ Sulke den Eindruck eines Großen, den man neben Reinhard May, Hannes Wader und Konstantin Wecker nicht vergessen sollte. Viel Applaus.

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