Melancholie leuchtet: Benjamin Appl und James Baillieu beim Kasseler Musikfest

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Ein exquisiter Liederabend: Pianist James Baillieu und Bariton Benjamin Appl bei ihrem Auftritt im Kulturbahnhof.

Kassel. Beeindruckend ist die Liste der Orte, an denen der junge Bariton Benjamin Appl schon aufgetreten ist. Er war bereits zu Gast in der Wigmore Hall London und der Carnegie Hall New York.

Nun gab er auf Einladung des Konzertvereins Kassel einen exquisiten Liederabend beim Musikfest im Südflügel des Kulturbahnhofs.

Benjamin Appl eroberte dort das Publikum mit seinem feinsinnigen Liedvortrag. Seine Stärken: ein attraktives, jugendliches Timbre, besonders einnehmend bei den innig-lyrischen Tönen, und eine sensible Gestaltung, die bei aller Durchdringung des Ausdrucks nie die große Gesangslinie vernachlässigte.

Ebenso am Erfolg beteiligt war der vorzügliche Pianist James Baillieu, der mit glasklarer Präzision eine reiche Palette vom impressionistisch Glitzernden bis hin zu markanten Impulsen ausspielte. Einen weiten Bogen spannten die „Lieder über das Fortkommen“ mit ihren Bildern, Gefühlen und Reflexionen.

Appl und Baillieu begannen ihre musikalische Wanderung delikat mit Henri Duparcs „L’invita-tion au voyage“ und ließen darauf deutschsprachige Liedmeister der Romantik und Neo-Romantik folgen: Robert Schumann, Hugo Wolf sowie Ernst Krenek, aus dessen „Reisebuch aus den österreichischen Alpen“ (1929) einige Stücke erklangen.

Da ließ Appl etwa bei Schumanns „Ins Freie“ das „Herz mit lautem Schall“ schlagen, da besang er den österreichischen Wein mit Kreneks Mischung aus Inbrunst und Ironie. Und in der zweiten Hälfte folgte nach einem englischen Intermezzo mit Ralph Vaughan Williams der Höhepunkt, als die beiden zum Beginn der Gattung Kunstlied zurückkehrten: zu Franz Schubert. Nach dem flotten „Musensohn“ bekam Appl Zwischenbeifall, anrührend war es aber vor allem, wie er langsame Tempi ausfüllte und Schuberts Melancholie zum Leuchten brachte.

Morbid-tröstlich das finale „Nachtstück“ - der Tod als Ende der Reise. Nach Bravos freuten sich die 80 Zuhörer noch über zwei weitere Schubert-Perlen als Zugaben.

Samstag, 20 Uhr: Quatuor Sine Nomine: Alte Welt - Neue Welt. Amerikanische Quartette. Sonntag, 11 Uhr: „Vertraute Briefe aus Paris“, Unterwegs mit Johann Friedrich Reichardt, Lesung mit Musik. 20 Uhr: Trio con Brio Copenhagen, „Souvenirs. Kompositionen im Gepäck“ (Eisler, Strawinsky, Debussy, Tschaikowsky).

Von Georg Pepl

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