Melancholie und Sehnsucht: Christian Redl beim Kultursommer

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Christian Redl

Baunatal. „Die Blumen des Bösen“ funkeln, haben eine stolze, morbide Schönheit, wobei die unvergänglichen, dunklen Verse von Charles Baudelaire in die Abgründe menschlichen Daseins führen.

Im Rahmen des Kultursommers las am Samstag Christian Redl in der gut besuchten Wehrkirche in Kirchbauna etwa zwölf Gedichte des französischen Lyrikers, der 1857 nach Erscheinen der „Blumen des Bösen“ wegen „Beleidigung der öffentlichen Moral“ zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Der in Kassel geborene Schauspieler, bekannt als Spreewald-Kommissar und aus etlichen anderen TV-Produktionen, gab den von Wilhelm Richard Berger übersetzten Gedichten seine tiefe, klare Stimme, verzichtete auf interpretierende Mimik, mit übereinander gelegten Händen auch auf jede Gestik.

Begleitet wurde der Grimme-Preisträger von Vlatko Kucan (Klarinette), Sven Kerschek (Gitarre) sowie Dirk Achim Dhonau (Schlagzeug). Mit schaurigen, teils dissonanten, schmatzenden, schnalzenden Klängen versetzten die drei Musiker die Anwesenden mit ihren Kompositionen gleich zu Beginn in die von Lust, Angst und Sehnsucht zerrissene Welt des melancholischen Dandys Baudelaire, der seitens seiner Eltern eine Diplomatenkarriere machen sollte, aber schon als Schüler dichtete und sich einem Leben in der Boheme von Paris hingab.

Wunderschön waren die ersten Verse des Abends, von Baudelaire „Einer Vorübergehenden“ auf der Straße gewidmet, einer „flüchtigen Schönheit“, der das lyrische Ich kaum widerstehen kann und sich in erotischen Fantasien verliert. Mit ruhiger Sprachgewalt malte Redl jedes Wort aus. Auch die Gedichte über den Herbst des Lebens, den Tod, über Verwesung gestaltete er scheinbar unangestrengt und machte das Dämonische der bösen Blumen, die Spannung der Gegenpole von Eros und Thanatos spürbar. Allein die Musiker erzeugten zwischendrin aufgeregte Töne. Großer Beifall.

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