Eine Begegnung mit der norwegischen Popsängerin Maria Mena zu ihrem Album „Growing Pains“

Die Melancholikerin beim Neustart

Die Stimme Oslos: Maria Mena. Foto:  nh

Ich habe mich gefühlt, als hätte ich einen Arm verloren“, sagt Maria Mena und jagt ihre Gabel in die nächstbeste Minikartoffel auf dem Teller. „Ich musste lernen, ohne den Arm zu leben. Und nun wächst mir ein neuer Arm.“ Mena kaut die Kartoffel und spricht gleichzeitig weiter. „Ich musste herausfinden, wie es ist, allein zu leben. Das ist manchmal toll, und manchmal ist es traurig. Das Leben bleibt nicht dort stehen, wo man möchte. Und es kann sich von einem Moment auf den nächsten komplett verändern.“

Zum Interview über ihr neues Album „Growing Pains“ hat Maria Mena in ein Tapas-Lokal in Grünerløkka geladen. Im Viertel gibt es Cafés, Galerien und Boutiquen, Mena wohnt auch hier. Sie hat gerade die Wohnung neben ihrer Wohnung gekauft und lässt die Wand einreißen. Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag lernt die Sängerin und Songschreiberin nun also, wie es ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Geplant war das so nicht.

Mit 29 Jahren ist Maria Mena eine geschiedene Frau. Und das bloß zwei Jahre nach ihrer Hochzeit mit Eivind Sæther, einem Journalisten, mit dem sie zuvor lang zusammen gewesen war. „Er war die erste richtige Beziehung meines Lebens. Ich habe fast ein Jahr um unsere Liebe getrauert.“ Die Trennung, über deren Einzelheiten sich Mena lieber ausschweigt, muss unerwartet geschehen sein. Noch ihr 2013 veröffentlichtes Album „Weapon in Mind“ war voller – für Menas eher popmelancholische Verhältnisse – gut gelaunter Songs.

Mit der Heiterkeit ist es nun auf „Growing Pains“ vorbei. Die neuen Stücke klingen wieder typisch für Mena, ähnlich wie ihre großen Erfolge „Just Hold Me“ und „All This Time“. Also eher nachdenklich, bisweilen etwas trübselig. „Good God“, die erste Nummer, lässt darauf schließen, dass es Mena war, die gegangen ist. „I Don’t Wanna See You With Her“, die Single, deutet darauf hin, dass ihr Ex-Mann bereits eine neue Freundin gefunden hat. „Ich will die Songs nicht zu detailliert besprechen“, bremst Mena aber und widmet sich nun dem Schinken. „Gerade hier in Oslo kennen mich viele Menschen persönlich, da soll nicht alles an die Öffentlichkeit.“

Und überhaupt sei das fast ausnahmslos aus Balladen bestehende „Growing Pains“ eigentlich kein Trennungswerk. Sondern ein Album „über eine junge Frau, die dachte, einen bestimmten Weg zu gehen und sich plötzlich auf einem anderen wiederfindet“. Sie habe lernen müssen, so Mena, „wer ich bin“. Maria Mena hat ihre Gefühle ausgiebig analysiert: „Man braucht Mut, um ein Album zu machen, bei dem die Leute sich fragen, ob es einem gut geht.“ Wegzulaufen sei keine Option gewesen.

Single zu sein, will gelernt sein. „Ich habe keine Angst vorm Alleinsein. Und ich bin sicher, eines Tages werde ich wieder einen Menschen finden, mit dem ich eine wunderbare Beziehung haben werde.“

Bis es so weit ist, plant Maria Mena die Party zu ihrem Dreißigsten im Februar. Sie will in der leeren neuen Wohnung feiern. „Kann ja nichts kaputtgehen, weil sie noch leer ist.“ Und wenn doch, repariert Mena es wieder. Sie weiß ja jetzt, wie man so etwas macht.

Maria Mena: „Growing Pains“ (sony), Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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