Melancholische Lieder mit Stefan Sulke im Piazza

Erinnerungen am Keyboard: Stefan Sulke singt von verregneten Liebesbeziehungen und unerfüllten Träumen. Foto: Fischer

Kassel. Stefan Sulkes Biografie ist einfach reif für das Kino: 1943 wird er als Sohn Berliner Eltern in Schanghai geboren und wächst in Bern auf. Es folgt eine kleine Gesangskarriere in den USA und Frankreich und dann der Aufbau eines eigenen Tonstudios.

Dizzy Gillespie, Thelonius Monk und Leonard Cohen sind bei ihm zu Gast, und er wird für die ersten Aufzeichnungen des Montreux-Festivals gebucht. Er schreibt Songs für Katja Ebstein und Milva, doch das Musikgeschäft langweilt ihn zunehmend.

Er wechselt in die Baubranche, wird gekidnappt und verschleppt, kann sich befreien und zieht sich danach komplett zurück. 1999 erscheint eine neue CD, und er macht seither als Chansonnier, Buchautor, Maler und Bildhauer wieder von sich reden.

Am Donnerstag gab er ein Gastspiel im voll besetzten Vellmarer Piazza, und aus jedem Lied tropfte diese Biografie wie Wasser aus dem Heizungskessel eines alten Kreuzfahrtschiffes, das seit Jahren die Weltmeere durchpflügt.

„Ich hab’ mir ein Lachen ins Gesicht gemalt“, sinniert er gedankenverloren über seinem Keyboard, und das klingt bei ihm so traurig schön, dass man den nächsten melancholischen Seufzer kaum erwarten kann. Er poltert nicht wie ein Konstantin Wecker oder rockt wie ein Bernd Begemann. „Ich bin nur der Mann von nebenan, der manchmal einfach nicht schlafen kann.“

So klingt die Poesie von Sulke, die er mit unaufgeregter Stimme und schwebenden Jazzharmonien zu kleinen Kunstwerken verarbeitet. Dass er auch ein paar fröhliche Textzeilen, bedächtig erzählte Witze und flauschige Anekdoten in sein Programm integriert, ist wahrscheinlich der Publikumserwartung geschuldet. Doch dem Blick zurück auf verregnete Liebesbeziehungen, enttäuschte Erwartungen und unerfüllte Träume gehörte der Abend. Großer Applaus.

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