Melancholische Romantik: Maximilian Hecker im Schlachthof

Gibt gern den Gehemmten: Der Sänger Maximilian Hecker im Schlachthof. Foto: Fischer

Kassel. Mit kurzen Videoclips stimmt er auf sein Konzert ein - und auf seine Grundstimmung: ein Mann, nachts unterwegs auf Großstadtstraßen.

Es regnet, es ist kalt, einsam und Liebe suchend zieht er durch die Gegend. Eine gefühlvoll gehauchte Songzeile untermalt. Melancholie ist Trumpf. Wenig später wird Maximilian Hecker sagen: „Wenn ihr nicht artig seid, gibt es noch ein Video.“

Klingt ein bisschen verrückt, ihn so zu sehen, aber ist sicher nicht ganz falsch. In Asien ist der 37-Jährige mit seiner Mischung aus melancholischen Pop-Songs, Neurosen pflegen und den Autisten geben, ein Star, füllt große Säle. Bei uns ist er noch ein Geheimtipp.

Vierzig Besucher waren am Freitag in den Schlachthof gekommen. Das Publikum begrüßt er mit einem kurzen: „Geil, Wochenende – oder?“, dann dreht er sich rasch zum Klavier und versinkt in seiner Welt und seinen Gefühlen.

Den abstrusen Wechsel aus gesungenen Oden an die verlorene Liebe und skurrilen Ansagen wie – „In welcher Disco gehen wir uns nachher einen ansaufen?“ – wird er bis zum Konzertende beibehalten. Sein aktuelles Album „Spellbound Scenes“ hat er sechs Großstädten gewidmet. Auch Tokio ist dabei. Hecker singt die Widmung in Landessprache und erkundigt sich, ob es verständlich war. Eine Chinesin lobt ihn: „70 Prozent habe ich verstanden.“

Als jemand den Saal in Richtung Toilette verlässt, lamentiert er: „Die Ersten gehen schon. Ist wie beim Fußball, wenn die Leute es nicht länger ertragen können.“ Stets gibt er den Verängstigten, Introvertierten, der sich zwingen muss, ein paar Sätze zu sprechen. Das Publikum quittierte Heckers überzeichnete Schüchternheit mit Lachen.

Seine Musik, obwohl nicht sehr abwechslungsreich, hat durchaus romantische Schönheit, ebenso seine Gesangsstimme. Nach dem letzten Stück verlässt er den Saal, präsentiert sich aber hinter der Glasscheibe und gibt noch eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.