Melancholischer Ausklang: Mit Astrid North ging der Jazz-Frühling im Theaterstübchen zu Ende

Ein Abend der persönlichen Bekenntnisse: Sängerin Astrid North im Theaterstübchen. Foto: Fischer

KASSEL. Nach dem großen Samstagskonzert mit John Scofield in der Kasseler Bank endete der Theaterstübchen-JazzFrühling am Sonntagabend im heimischen Club eine Nummer kleiner: Astrid North und ihr außergewöhnliches Trio zogen einen introvertierten Schlussstrich unter das starbesetzte zehnte Festival.

Die zu den führenden deutschen Soul-Sängerinnen zählende Astrid North hatte es jedenfalls geschafft, die beliebte Spielstätte ganz zu füllen. Und kein Besucher verließ seinen Stuhl, bevor der letzte Ton verklungen war, denn das Damen-Trio zog das Publikum mit seinen gedämpften, melancholischen Klangbildern und autobiografisch gefärbten Texten voll in seinen Bann. Dazu gab North in den Songpausen nahezu geflüsterte Erklärungen ab: Da ging es mal um den Wunsch zu fliegen, um die Pflege von Menschen oder um die Sorge um die Schwester – sehr persönliche Bekenntnisse, deren eindringliche Emotionalität sogar die Tränen der Sängerin fließen ließen, wie nach dem ihrer Oma gewidmeten Stück „Precious Ruby“ von ihrer zweiten Solo-CD.

Der gleichermaßen ungewohnte wie reduzierte Bandsound mit Piano, Cello und kleinem Schlagzeug bewegte sich mit vielen Moll-Akkorden in mäßigen Tempi ohne jegliche Instrumentalsoli und hatte seine stärksten Momente beim Einsatz des dreistimmigen Gesangs. Trotz ihrer zweifellos großartigen Stimme machte die Leadsängerin keinen unbeschwerten Eindruck, und vielleicht hätte eine Prise mehr an Dynamik dem Konzert gutgetan, auch wenn die Zuhörer durch Mitklatschen einmal ihr perkussives Talent unter Beweis stellen durften. Nach starkem Applaus erhielt das Publikum noch eine Zugabe.

Von Wolfgang Wollek

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