2019 ist das Jahr des Kasseler Kunstprofessors

Bjørn Melhus: Drei Ausstellungen des Kasselers in Berlin

+
Utensilien von Dreharbeiten: Die Ausstellung zeigt wie an einem Filmset, wie es zu Björn Melhus’ Videoarbeiten kommt.

Es ist ein erfolgreiches Jahr für das Künstler-Chamäleon. Der Kunstprofessor Bjørn Melhus hat drei Ausstellungen in Berlin. Schon im Frühjahr lief es gut für den Kasseler.

2019 ist das Jahr von Bjørn Melhus. Nicht nur, dass der Kasseler Kunstprofessor schon seit dem Frühjahr anlässlich der Veröffentlichung eines Melhus-Buchs der Stiftung Niedersachsen eine Einzelausstellung im Sprengel Museum in Hannover hat, die noch bis zum 5. Januar zu sehen ist. Auch in Berlin ist Melhus zurzeit mit mehreren Ausstellungen präsent.

„Free Update“ heißt die eine Schau des 1966 im schwäbischen Kirchheim unter Teck als Sohn einer Deutschen und eines Norwegers geborenen Künstlers, der in Braunschweig und am California Institute of the Arts in Los Angeles studiert hat: und zwar im Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst. Im Maschinenhaus der ehemaligen Brauerei in Neukölln läuft diese Melhus-Ausstellung bis zum 16. Februar.

Bei mehreren Ausstellungen vertreten 

Präsentiert wird neben Filmen aus den vergangenen Jahren eine neue Arbeit, „Sugar“, „in dem ein beseelter, emotionaler Roboter gegen den Narzissmus des sozial abgestumpften Menschen ankämpft“, wie die Ausstellungsmacher formulieren.

Vertreten ist Melhus, der in Kassel die Klasse für „Virtuelle Realitäten“ leitet, auch in der Ausstellung „Magic Media – Media Magic“ in der Akademie der Künste. Dort sind noch bis zum 13. Oktober Videoarbeiten seit den 1970er-Jahren aus dem Archiv von Wulf Herzogenrath zu sehen.

Ausstellung direkt am Brandenburger Tor: In fast 100 Charaktere hat sich Bjørn Melhus, Professor an der Kasseler Kunsthochschule, bereits verwandelt. In seiner Ausstellung im Max-Liebermann-Haus sind sie zu sehen.

Herzogenrath, der ehemalige Leiter der Bremer Kunsthalle, war schon bei der documenta 6 im Jahr 1977 in Kassel für den Bereich Videokunst zuständig und auch 1987 an der d8 wesentlich beteiligt. 

Der 75-Jährige ist nicht nur Sammler, sondern auch Kurator einer Ausstellungsreihe im „Atelier Liebermann“, die am Pariser Platz in Berlin – im Max-Liebermann-Haus wenige Schritte von der Akademie der Künste entfernt – an das frühere Dachatelier des Malers (1847 - 1935) erinnert und Fragen des künstlerischen Entstehungsprozesses in den Mittelpunkt stellt. 

Ein bedeutender Video- und Filmkünstler

Und hier, veranstaltet von der Stiftung Brandenburger Tor, der Kulturstiftung der Berliner Sparkasse, läuft zurzeit eine weitere prominente Melhus-Präsentation, die ihn als „einen der bedeutendsten Video- und Filmkünstler der Gegenwart“ vorstellt: „Hot Set“ hat Melhus sie genannt.

„Hot Set“ ist in der Sprache des Films der Ort, der nicht mehr verändert werden darf. Gezeigt werden Fotografien, Storyboards, Kostüme, Ausstattungsstücke, Ausschnitte und verworfenes Material aus 30 Jahren, die Auskunft geben über Melhus’ Inspirationsquellen und Arbeitsweise.

Verwandlung: Ein Foto von Melhus’ Arbeit „I Do Not Belong In This House“ (2011).

Bjørn Melhus ist in allen seinen Filmen und Inspirationen stets sein eigener Protagonist. Er verkörpert immer neue Charaktere – geschlechterübergreifend, mal als Mensch, mal als Tier, mal rein fiktiv. Das Atelier ist bei Melhus ein Ort der Experimente, das Set kann in Berlin, in der Wüste Kaliforniens oder an einem Strand in Vietnam aufgebaut sein. Der Künstler schlüpfte in bislang fast 100 Rollen, die fotografisch dokumentiert wurden.

Melhus' Rollenspiele

Manches an Melhus’ Rollenspielen wirkt komisch, abstrus überzeichnet, ja bizarr, hat aber oft einen vielschichtigen und sehr ernsten Hintergrund. Er verquickt Zitate aus Filmen und Fernsehen, Stimmen von Schauspielern oder Elemente aus Werbung und Alltag, um Motive, Themen und Strategien der Massenmedien aufzudecken und ihre Wechselbeziehungen mit der Gesellschaft offen zu legen – und den Einfluss der westlichen Pop- und Kinokultur auf uns alle.

„Free Update“, bis 16.2., Kindl - Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, kindl-berlin.de

„Hot Set“, Max-Liebermann-Haus, Pariser Platz 7, bis 20.10., stiftungbrandenburgertor.de Am 20.10., 12 Uhr, Gespräch mit Bjørn Melhus.

„Magic Media – Media Magic“, Akademie der Künste, Pariser Platz, bis 13.10., adk.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.