Die Sängerin Deborah Sasson präsentierte in Kassel ihre Version des Klassikers „Phantom der Oper“

Melodramatisches Gruseln

Friedhofszene: Christine (Deborah Sasson) am Grab ihres Vaters. Foto: Malmus

KASSEL. „Na, die werden doch noch das Lied spielen“, sagte eine Zuhörerin in der Pause. Gemeint war Andrew Lloyd Webbers Hit, der beim „Phantom der Oper“ in der nicht ganz vollen Kasseler Stadthalle jedoch fehlte. Zu hören war nämlich nicht das Musical des englischen Komponisten, sondern die Version der US-Sängerin Deborah Sasson.

Den Großteil der Musik hat Sasson selbst komponiert. Eingeschoben waren klassische Evergreens, unter anderem von Puccini, Johann Strauss und Verdi. Ein zwiespältiger Schachzug, denn die Einsprengsel wirkten deutlich stärker als die Melodien der Amerikanerin.

Außergewöhnlich wurde die Umsetzung des Schauerromans von Gaston Leroux vor allem durch das Zusammenwirken von Bühnenausstattung und 3D-Videotechnik. Eine eindrucksvolle Optik, mal der Ballsaal der Pariser Oper, mal ein Friedhof und ein unheimliches Gemach. Einmal schien gar ein prächtiger Kronleuchter herabzustürzen.

Spielfreudig und bunt war das Ensemble, angeführt von Deborah Sasson, die den Part der Christine Daaé mit Gefühl und einer gewissen Reife in der Opernstimme sang. Die beiden Seiten des Phantoms Erik machte Axel Olzinger hörbar, während Jochen Sautter (auch deutsche Liedtexte und Regie) ein nobler Raoul Comte des Chagny war.

Neben dem melodramatischen Gruseln kam deftiger Humor nicht zu kurz - durch Annette Kuhn als hysterische, rülpsende Primadonna sowie durch Nils Schwarzenberg und Björn Schäffer als tuntige Operndirektoren. Einen guten Job machte das Orchester unter der Leitung von Piotr Oleksiak. Und nach viel Beifall drehte Deborah Sasson noch als Carmen auf.

Von Georg Pepl

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