Ruhrtriennale zeigt Uraufführung von William Forsythe

Ein Mensch, ein Betrug

Das ewige Dilemma des Menschen:Die Tänzer Roberta Mosca (links) und Parvaneh Scharafali. Foto: Dominik Mentzos/ nh

Bochum. Mit flinken Füßen durchmessen Tänzer die Bühne. Ihre Bewegungen sind weich, mit eingedrehten Gliedern fast immer außerhalb der klassischen Symmetrie. William Forsythe, berühmt geworden durch seine Dekonstruktion des Balletts, zeigt endlich wieder Tanz. Seine choreografische Handschrift ist unverkennbar, die Company wirkt hervorragend.

Abstrakt wirkten vergangene Arbeiten des Choreografen; Tanz-Installationen ließen die Forsythe-Company der Bildenden Kunst mitunter näher erscheinen als dem Tanz. „Now this when not that“ (Jetzt dies, wenn nicht das), seine jüngste Arbeit, die, koproduziert von der Ruhrtriennale, in der Jahrhunderthalle Bochum uraufgeführt wurde, zeigt dagegen geradezu klassisches Tanztheater. Der Programmzettel lässt den Titel unkommentiert, eine Erzählerin, die auf einem Stuhl sitzt, spricht von einem Notfall („Emergency“). Darauf gilt es zu reagieren.

Spöttisch und ironisch kommentiert die Darstellerin das Verhalten der menschlichen Spezies, die tänzelt, breitbeinig herangewackelt kommt, Pirouetten dreht oder federnd-weiche Sprünge wagt.

Tänzerisch ein Genuss, inhaltlich mitunter rätselhaft, wenn sich der „Notfall“ auch - von Klimakatastrophe über Terroranschläge atomaren Unfällen - mit diversen Horrorszenarien füllen lässt. Poetisch wirken Bilder, in denen sich Menschen in schwarze Vögel verwandeln, man hört nur ihr Kreischen. Tänzer pfeifen auf kleinen Flöten oder hecheln wie Hunde. Einer trägt eine Art Bronzeglocke, die er mit Getöse zum Klingen bringt. Beinahe apokalyptisch wirken solche Szenen. Gaze-Vorhänge lassen Bewegungen verschwimmen, machen Körperteile unkenntlich. Die spannungsreiche Inszenierung lässt Jahre vergehen; blinder Aktionismus wandelt sich in Selbstbetrug, irgendwann hilft selbst Wünschen nicht mehr. Das ewige Dilemma des Menschen, der sich selbst der größte Gegner ist.

Von Isabell Steinböck

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