Karin Bohrmann-Roth und Ute Mescher zeigen ihre Werke in der Wehlheider domaine:gallery

Menschen und Lebensabdrücke

Besondere Nähe: Mann mit Hund von Karin Bohrmann-Roth.

KASSEL. Das Schwere und Leichte, das Körperhafte und Körperlose, das Mäandern zwischen Innerem und Äußerem - selten erlebt man in einer Ausstellung eine solche Gegensätzlichkeit, die Deutung des Einen durch das Andere, wie zurzeit in der neuen domaine:gallery: Die fast lebensgroßen Menschen-Plastiken der Bildhauerin Karin Bohrmann-Roth finden sich in Gesellschaft der fragilen Häute der Kasseler Künstlerin Ute Mescher, durchziehen den großen Galerie-Raum und besetzen die Bühne: Allein schon dies eine gelungene Installation der Betreiber Andreas Steiner, Bernd-Heinrich Sogel und Michael Gibb.

Das ironische Augenzwinkern und die subtile Karikatur sind nicht weit, wenn die durch vielfältige Plastiken bekannte Grebensteinerin Karin Bohrmann-Roth ihre Menschen-Bilder vorstellt. In ihren Arbeiten, in Ton modelliert und dann aus farbig gefasstem Beton geschaffen, umkreist sie das Thema Mensch mit Hund: Ein stolze Frau mit Dalmatiner, ein Selbstporträt; die alte Dame, eine Trilogie dreier aufrechter Männer mit Dackeln und eine attraktive Russin mit Windhund geben die Sicht auf allzu Menschliches frei: Die Nähe zum Tier, das Kuriose - all das findet sich in den mit Witz und Eigenwilligkeit ausgestatteten Figuren wieder. Schön auch die stylishen Aschenputtel-Zwillinge in Blau und Rosa, an ihren Füßen glänzt der goldene Schuh. Bohrmann-Roth ergänzt sie mit gezeichneten Bewegungsstudien, deren Reiz in der Flüchtigkeit des Striches liegt, und kleinformatige Aquarellen von Tänzerinnen.

Dem menschlichen Leben ist auch Ute Mescher auf der Spur: Auf der dunklen Bühne geben fragile, leere Hüllen ein irritierendes Bild ab. Die Künstlerin, die bei Harry Kramer in Kassel studiert hat, gewinnt sie aus mit Peelingcremes gewonnenen Haut-Abbildern, pergamentartige Häute, die sie in mehrstündigen Sitzungen von nackten Männern und Frauen schafft. Dass sie durch die Welt reist, die transparenten, durchscheinenden Lebensabbilder an unterschiedlichsten Orten aufhängt und fotografiert, bereichert den Kosmos dieser seltsamen, verletzbaren Körperabdrücke. Fotografien erzählen auch, wie im Lauf der Zeit die Häute schrumpfen und Verletzungen aufweisen wie im richtigen Leben.

Mit ihrer zweiten Ausstellung hat die neue Galerie einen Akzent gesetzt, der im Winter mit einem Austausch verschiedener Gattungen wie Literatur und Musik fortgesetzt werden soll. Man hofft auf ein Überleben dieser Initiative.

d:gallery, Schönfelder Straße 41 b, bis 1.10., Di-Fr 15 bis 19, Sa 11-19 Uhr.

Von Juliane Sattler

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