Sabine und Christof Wackernagel lasen aus den Mali-Büchern des Autors im Theaterstübchen

Menschen aus Mali, ganz nah

Suchten den Dialog mit dem Publikum: Sabine und Christof Wackernagel im Theaterstübchen. Foto:  Fischer

Kassel. Wie lernt man ferne Welten kennen? Am besten, indem man dort lebt. Der Schauspieler und Schriftsteller Christof Wackernagel hat zehn Jahre in Mali (Westafrika) verbracht. In zwei Büchern hat er seine Eindrücke zusammengefasst. Am Sonntag stellte Wackernagel mit seiner Schwester, der Kasseler Schauspielerin Sabine Wackernagel, die Bücher „Dieu est grand“ (Gott ist groß) und „Reden statt schießen“ im gut besuchten Theaterstübchen bei einer Lesung vor.

„Es ist nicht die Hautfarbe, die die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen zerstört, es sind die Charaktere“, stellt der 62-Jährige in seinem Buch fest. Klingt, als würde er seinen Fokus auf soziale Konfliktherde und Probleme der Entwicklungspolitik legen. Obwohl auch diese auszumachen sind, sind seine Bücher in erster Linie unterhaltend. Sie zeigen lebendig und humorvoll geschriebene Aspekte einer Welt, in der vieles anders ist als bei uns, rein menschlich jedoch „sind die Leute uns dort sehr ähnlich“, resümiert er lächelnd.

Wackernagels „Geschichten in Westafrika“ und seine Tagebuchaufzeichnungen spiegeln einen liebenswerten Kosmos, der oft absurd komisch erscheint. Menschen stehen bei ihm im Mittelpunkt. Wie sie miteinander umgehen, was sie essen, welche sozialen Ordnungen diese Gesellschaft prägen. Dazu kommt das verbreitete Pendeln zwischen Religion und Aberglauben. Auch Wackernagels Frau stammt aus Mali. Mit ihr hat er einen zweijährigen Sohn. Auch sie kommt in seinen Geschichten vor.

Als sie mit ihrem Vermieter Streit bekommt, zeigt sie ihn bei der Polizei an. Die Folge? Die zählt zu den schönsten Erfahrungen, die Wackernagel in Mali miterleben konnte: Er, zwei Freunde und der Vermieter trafen sich und redeten. Am Ende wurde eine Einigung gefunden, die allen Beteiligten ihre Würde beließ: „Die Kultur des Dialogs“. Christof und Sabine Wackernagel lasen abwechselnd und sehr lebendig. Es war eine Freude, ihnen zu lauschen. Das Publikum bekam zwischendurch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Anregende Dialoge zwischen Bühne und Auditorium folgten. Fazit: ein unterhaltsamer und lehrreicher Lesenachmittag.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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