Eine Entdeckung: Das Basler Kunstmuseum zeigt den Maler Konrad Witz

Wie Menschen sein sollen

Ein Optimist vor dem Herrn: Konrad Witz’ Christophorus-Gemälde von 1435. Fotos:  Kunstmuseum Basel

Basel. Der Mann heißt Konrad Witz. Er ist einer der besten deutschen Künstler des 15. Jahrhunderts. Und er ist es wert, endlich aus der Ecke der Vernachlässigung herausgeholt zu werden.

Das Kunstmuseum Basel unternimmt es - nicht ganz ohne Hintersinn, denn es besitzt die weltweit größte Sammlung an Gemälden des um 1400 im schwäbischen Rottweil geborenen und 1447 in Basel gestorbenen Malers. 14 Bildtafeln, zuzüglich einer Reihe Werkstattarbeiten, befinden sich im Kunstmuseum.

Die kommen jetzt alle ans Tageslicht, zusammen mit Tafelbildern, Grafiken und Glasgemälden anderer Künstler, die den Einfluss des Meisters deutlich werden lassen: insgesamt rund 100 Exponate aus der ganzen Welt. Es gibt also was zu entdecken.

Witz war ein begnadeter Maler. Er malte Gewänder wie ein Masaccio und Landschaften wie ein van Eyck, während Licht und Schatten so moduliert sind, als hätte ihm Grünewald den Pinsel geführt.

Jedoch, was sind Details, wenn es ums Ganze geht? Man erschrickt, wie er mit Farbe umgeht - und dies in einer von Gotik und Renaissance durchmischten Zeit. Er verteilt die Farben so virtuos kompakt und grafisch so modern, wie dies nur in den letzten 100 Jahren möglich war. Hätte es den Siebdruck schon gegeben, Witz hätte wie Andy Warhol die Gesichter und Geschichten seiner Zeit hinauskatapultiert.

So blieb es beim Marienaltar, dessen „Verkündigung“ normalerweise in Nürnberg hängt, beim Petrusaltar aus Genf oder bei dem auf Basel, Berlin und Dijon verteilten Heilsspiegelaltar (siehe Artikel rechts). Die 16 Tafeln dieses Retabels, von denen zwölf überdauert haben, gehören zum Aufregendsten, was in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gemalt worden ist. Elf davon sind jetzt zu sehen.

Das Bild „Der wunderbare Fischzug“ aus Genf (1444) durfte leider seine Heimstatt nicht verlassen: „zu empfindlich für eine Reise“, wie Kurator Bodo Brinkmann preisgab. Man hat sich beholfen - mit einer großen Reproduktion an der Wand: Ein Höhepunkt der Landschaftsmalerei. Und eigentlich sein Beginn.

Andeutungen davon sind im „Christophorus“ von 1435 abzulesen. Auch hier eine grandiose Landschaft, aber topografisch noch verrätselt. Im Mittelpunkt steht ganz der Heilige, dessen Kopf tatsächlich das Zentrum des Bildes ausmacht, und nicht etwa der geschulterte Christusknabe. Der gute Mann hat seine Mühe mit dem Kleinen, sein Stab zerbricht ihm gerade, er kommt kaum vorwärts im Wasser, er steht, die Kreise deuten es an.

Trotz allem scheint der Christusträger guten Mutes zu sein, ein Optimist vor dem Herrn. Wie überhaupt die von Witz gemalten Figuren Kummer und Drangsal nicht erkennen lassen. Vielleicht, weil sie häufig zu zweit auftreten und weil sie Achtung voreinander zeigen. Allein dies macht die Ausstellung sehenswert. Die Bilder sind von hoher Ahnung, wie Menschen sein sollten.

Bis 3. Juli, Katalog: 68 Euro, www.kunstmuseumbasel.ch

Von Wolfgang Minaty

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