Kunststudenten präsentierten „Der kleine Horrorladen“ im tic

Her mit Menschenblut

Treten im tic beim Kult-Musical auf: David Hammann als Seymour Krelbourn (links) und Phil Basener als Moderator. Foto: Socher

Kassel. Als Regisseur Roger Corman und Drehbuchautor Charles B. Griffith 1960 die Geschichte von „The little Shop of Horrors“ an einem einzigen Abend in die Schreibmaschine hämmerten, geisterte ihnen wahrscheinlich Goethes Faust durch die Köpfe. Die blutgierige Pflanze Audrey 2 als Mephisto und der verdrossene Blumenverkäufer Seymour Krelbourn als Heinrich Faust. Das passt. Drei Wochen arbeiteten 40 junge Kasseler Kunststudenten und deren Freunde an einer aufführungsreifen Bearbeitung des Kult-Musicals, inklusive Bühnenbild, Kostümen, Musik und Marketing.

Ein hartes Trainingsprogramm, mit dem man bei der Premiere im voll besetzten tic eine beachtliche Höhe an kreativer Qualität überspringen konnte. Bei der Ausgestaltung der Geschichte von Seymour, der einer nach Menschenblut lechzenden Pflanze einige Opfer beschafft, um im Gegenzug mit Erfolg und der Liebe seiner Angebeteten Audry belohnt wird, blieb man nah am Original. Vieles gelang sehr reizvoll, manches konnte man sich mit dem Begriff Trash schöndenken.

Einen Oscar hat sich Kostümbildner David Müller verdient. Besonders die Garderobe der drei Sängerinnen Chiffon (Jennifer von Franken), Ronette (Miriam Schröder) und Crystal (Rebecca Schild) offenbarten ein ausgeprägtes Gespür für Farben, Formen und Materialien. Auch Martin Holzhauer als Konstrukteur und Christian Hermann als unsichtbarem Organismus der Monsterpflanze gebührt ein großes Lob. Unter den schauspielernden Akteuren überzeugten Roman Nitz als sadistischer Zahnarzt Orin Scrivello, Phil Basener gleich in mehreren Rollen und Michael Maiwald als autoritärer Ladenbesitzer Mr. Mushnik mit russischem Akzent.

Doch auch die anderen Ensemblemitglieder agierten durchaus ansprechend. Bei mancher Gesangspassage intonierte man ins Niemandsland, die Tanzeinlagen hatten mehr Charme als Präzision. Die Band erspielte sich Sympathien, aber keine Preise. Das Publikum spendete kräftigen Applaus. Fazit: Spritzig, witzig, herrlich unvollkommen.

Weitere Aufführungstermine im tic: Freitag, 13. August, ab 19.30 Uhr; Samstag, 14. August, einmal ab 15 Uhr und einmal ab 19.30 Uhr und am Sonntag, 15. August, ab 15 Uhr. Karten gibt es montags bis samstags von 10 bis 13 Uhr, Vorbestellung unter 0561/ 701 87 22.

Von Andreas Köthe

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