Für sie ist Merkel eine Bitch: Sängerin Lily Allen ist zurück

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Keiner macht klügeren Kaugummi-Pop als Lily Allen: Nach vier Jahren Pause meldet sich die zweifache Mutter (29) zurück. Fotos: Warner

Zuletzt musste sogar Angela Merkel feststellen, dass Lily Allen Sachen sagt, die sie gar nicht so meint. Vor einigen Wochen bezeichnete die britische Pop-Musikerin die Kanzlerin als „Bitch“ (Schlampe). Was Allen eigentlich damit sagen wollte: Angela Merkel ist eine selbstbewusste und starke Frau.

Wenn die 29-Jährige „Bitch“ sagt, versteht sie das als Kompliment.

So gesehen ist Allen die coolste Bitch von allen. Denn ein Album „Sheezus“ zu nennen, das muss man sich auch erst einmal trauen. Der Titel ist eine ironische Anspielung auf den leicht größenwahnsinnigen HipHop-König Kanye West, dessen letztes Album „Yeezus“ heißt. Laut Allen ist Jesus nun eine Frau, wobei: Sie meint natürlich auch das nicht so - ebenso wenig wie das Cover, das die Künstlerin mit den Lieblingshunden der Queen in royaler Dekadenz zeigt.

Die Pop-Königin, sollte das heißen, ist zurück. Vor vier Jahren hatte sich die Londonerin wegen der Familie aus dem Musikgeschäft verabschiedet, in dem sie mit stilsicherem Kaugummi-Pop und bittersüßen Texten 2006 zur „klügsten Sängerin Englands“ („FAZ“) geworden war.

Sie zog mit ihrem Mann aufs Land bei Oxford, bekam zwei Kinder, erlitt zwei Fehlgeburten und twitterte aus ihrem neuen Leben als Mutter und Hausfrau. Mehr als 10.000 Tweets hat sie bislang an ihre über 4,6 Millionen Follower geschickt. Auf Dauer konnte das Allen, die als Kind auf 13 verschiedenen Schulen war und mit 15 zu Hause auszog, nicht befriedigen.

„Angela Merkel ist eine Bitch.“ 

„Ich bin nicht der Typ geduldige Mutter, der den ganzen Tag mit zwei Babys zu Hause sitzen kann. Das ist nicht gut für mich, und das ist nicht gut für die Kinder“, sagt sie. Also ging sie ins Studio, nahm 13 neue Songs auf und sorgte gleich mal für einen Skandal.

Im November veröffentlichte sie das Video zu „Hard Out There“, einer sehr lustigen Parodie auf den Sexismus im Pop. Im Clip liegt Allen auf dem Operationstisch und lässt sich Fett absaugen, während ihr Manager daneben steht und ihr sagt, wie sie auszusehen habe. Später ließ sie dunkelhäutige Tänzerinnen mit dem Hintern wackeln. Es sah aus wie bei Robin Thickes Clip zu dessen Hit „Blurred Lines“ und sollte genau dessen Macho-Gehabe vorführen. Aber weil die Frauen alle schwarz waren, wurde Allen Rassismus vorgeworfen. Die Diskussion war ein bisschen hanebüchen.

Trotzdem sind ihre Fans nun froh, dass Allen zurück ist. Für britische Feministinnen ist sie so etwas wie die Alice Schwarzer der Postmoderne. Der US-Amerikaner Greg Kurstin hat das Album ein bisschen zu glatt produziert, trotzdem ist „Sheezus“ eine kurzweilige Mischung aus Pop, R’n’B, Reggae, Folk und Kinderliedern geworden. Mal geht es ums Muttersein („Life For Me“), mal um den Pöbel im Internet („URL Badman“) und mal um ihren Mann, der im Bett eine Granate sein muss („L8 CMMR“). Vielleicht hat Allen das aber auch gar nicht so gemeint.

Lily Allen: Sheezus (Parlophone/Warner).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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