Hans-Dieter Uhlenbruck dirigierte zum letzten Mal Orchester und Ensemble der Akademie

Merkwürdiger Abschied

Zum letzten Mal am Pult von Chor und Ensemble der Musikakademie: Direktor Hans-Dieter Uhlenbruck. Foto: Schoelzchen

Kassel. Als der scheidende Direktor der Kasseler Musikakademie, Hans-Dieter Uhlenbruck, bei seinem Abschiedskonzert ans Dirigentenpult trat, war die Karlskirche zwar gut gefüllt. Aber der Kulturdezernent, Vertreter des Kulturamtes und die meisten Akademiedozenten fehlten. Mag Uhlenbruck nach 15 Jahren an der Spitze der städtischen Einrichtung auch umstritten gewesen sein - dieses demonstrative Fernbleiben wirkte stillos.

Uhlenbruck wiederum zelebrierte seinen Übergang in den nun folgenden Ruhestand auch optisch: Den zweiten Teil des Konzerts dirigierte er im rosaroten Schlabberhemd.

Nun aber zur Musik: Zwei der berühmtesten Opernszenen Mozarts standen auf dem Programm, die Ouvertüren und jeweiligen ersten Finali aus dem „Don Giovanni“ und aus „Le nozze di Figaro“.

Unendlich langsam begann die „Giovanni“-Ouvertüre, und auch im Folgenden ließ das Dirigat Spritzigkeit und Präzision vermissen. Immerhin verfügt das Akademieorchester über einen kraftvollen Tuttiklang, und unter den elf Sängerdarstellern, die sich die fünfzehn Rollen beider Opernszenen teilten, waren beachtliche stimmliche Leistungen zu bewundern. So bei dem Bariton So Il Chung, der als Masetto im „Don Giovanni“ noch nicht so recht in Erscheinung trat, dann aber als Graf Almaviva im „Figaro“ mit warmem, vollem Stimmklang und gestalterischer Souveränität überzeugte.

Die angedeutete szenische Handlung (Regie: Sebastian Müller) beflügelte ebenso Catherina Paz Cartes Alarcon als Gräfin und Hee Yeon Kim als Zerlina wie auch als Susanna zu ansprechenden gesanglichen Leistungen. Stimmgewaltig, aber etwas rau fuhr Jongsu Jeong als Leporello und als Bartolo dazwischen.

Ein hübsche Idee, den Schlusssatz aus Haydns Abschiedssinfonie ans Ende des Konzerts zu stellen, bei dem die Musiker nach und nach ihre Pulte verlassen. Leider agierte aber das Orchester weder im Gesamten (Intonation!) noch an mehreren Solopositionen akademiereif. Hier besteht Handlungsbedarf. An Beifall ließ es das Publikum dennoch nicht fehlen.

Merkwürdig auch, dass sich die Stadt noch nicht zur Zukunft der Akademieleitung geäußert hat, obwohl die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass Dr. Peter Gries vom badischen Konservatorium Karlsruhe Uhlenbrucks Nachfolger werden soll.

Von Werner Fritsch

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