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Prominenter Platz für Messer-Installation der documenta fifteen

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Ein Holzrahmen, Wellblech, Motorradketten, Sand und viele Messer: Dorothee Gerkens, Leiterin der Neuen Galerie, und Künstler Ngugi Waweru Wanjiku vom Wajukuu Art Project mit der Installation „If a knife is too sharp it hurts the owner“, die aus der documenta fifteen für die Städtische Kunstsammlung erworben wurde.
Ein Holzrahmen, Wellblech, Motorradketten, Sand und viele Messer: Dorothee Gerkens, Leiterin der Neuen Galerie, und Künstler Ngugi Waweru Wanjiku vom Wajukuu Art Project mit der Installation „If a knife is too sharp it hurts the owner“, die aus der documenta fifteen für die Städtische Kunstsammlung erworben wurde. © Mark-Christian von Busse

Eine prägende Installation der documenta fifteen ist jetzt in der Neuen Galerie zu sehen: das Messer-Kunstwerk vom Wajukuu Art Project in der documenta-Halle.

Als jetzt fünf Mitglieder des Wajukuu Art Project nach Kassel kamen, um bei einem Festakt in der Alten Brüderkirche den Arnold-Bode-Preis entgegenzunehmen, statteten sie auch der Neuen Galerie einen Besuch ab. Besonders für Ngugi Waweru Wanjiku war dieser Gang ins Museum aufregend: Dort hat seine Messer-Installation, die bei der documenta fifteen im Eingang der documenta-Halle zu sehen gewesen war, einen neuen Platz bekommen.

Das Kunstwerk mit dem Titel „If a knife is too sharp it hurts the owner“ (Wenn ein Messer zu scharf ist, verletzt es seinen Besitzer) ist eine der documenta-Erwerbungen für die Städtische Kunstsammlung in der Neuen Galerie. Deren Leiterin Dorothee Gerkens und Restaurator Thomas Krämer trafen Ngugi Waweru Wanjiku, auch um über Pflege und Erhalt des Ankaufs zu sprechen. Besucher sollten den Sand auf dem Boden möglichst nicht berühren, bittet der Künstler.

Ein Messer sei vielseitig verwendbar, erläuterte Waweru Wanjiku: Man könne die Entscheidung treffen, ob man damit Gutes oder Böses tun wolle – und müsse für die Konsequenzen einstehen. Über den Standort – inmitten von documenta-Werken etwa von Gerhard Richter, Bernard Schultze, Mimmo Paladino und Miriam Cahn – zeigte er sich erfreut. Die vom Kenianer verwendeten Motorradketten korrespondieren mit einem der Motoren von Thomas Bayrle, der bei der d13 ebenfalls in der documenta-Halle ausgestellt war und für die Wajukuu-Mitglieder auch gern in Gang gesetzt wurde.

Waweru Wanjiku berichtete, dass die documenta-Teilnahme für die Gruppe eine enorme Aufgabe dargestellt habe: „Wir wussten nicht, wie groß sie ist, welche Bedeutung sie hat.“ Das Kollektiv löste sie wie alle Herausforderungen: in einer Art organischem Prozess, durch „learning by doing“. Für die Messer-Skulptur gab es lediglich eine Skizze, als der Künstler loslegte. Die Bestandteile, vor allem die abgenutzten Messer von einem Fleischmarkt, waren per Schiff nach Deutschland gebracht worden. „Wir hatten einen guten Platz und ein nettes Aufbauteam“, sagt er.

Für den Transport in die Neue Galerie wurde die Installation in der Mitte geteilt. Friedrich-Hermann Trier, bei Hessen Kassel Heritage als Restaurator für Metallobjekte zuständig, hatte ein Auge darauf.

Zur Preisverleihung war Waweru Wanjiku aus Venedig angereist, wo er einen einmonatigen Stipendienaufenthalt absolviert. Ein anderer Wajukuu-Künstler kam aus Genf. Die documenta habe das Kollektiv auf ein neues Level gehoben, berichtet der Kenianer. In seiner Heimatstadt Nairobi kenne man die Gruppe nun, eine Galerie vermarktet ihre Kunst. Die soll weiterhin der Gemeinschaft im Mukuru-Slum zugutekommen, vor allem den Kindern und Jugendlichen, deren schöpferisches Potenzial die Künstler heben wollen.

Ann Mbuti berichtete in ihrer Laudatio auf die Bode-Preisträger vom jüngsten Wajukuu-Projekt: aus alten Wasserkanistern Pissoirs zu bauen und den darin gesammelten Urin mit seinem Stickstoff in Form von Ammoniak als Dünger zu verwenden. Die Journalistin und Autorin aus Zürich schlug in ihrer Rede den Bogen zu Marcel Duchamps berühmter Readymade-Skulptur eines Urinals. Vor allem aber zeige dieses Vorhaben, so Mbuti, welchen unzureichenden Lebensbedingungen Wajukuu mit Kunst zu begegnen versuche.

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