Metal-Sänger Tobias Sammet von Edguy: „Die anderen sind nicht so schön wie ich“

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Vier 14-Jährige aus Fulda gründeten 1992 eine Schülerband und beschlossen, damit aus dem osthessischen Niemandsland in die große, weite Welt zu ziehen. Das ist 25 Jahre her.

Längst sind Edguy eine Größe in der Metalszene. Heute bringen sie ein Album auf den Markt. Sänger Tobias Sammet, der auch Kopf der Band Avantasia ist und für Radio Bob eine Metal-Sendung moderiert, trafen wir im Radiostudio in Kassel.

Viele Metalmusiker sind auf der Bühne geschminkt, warum verzichten Sie darauf? 

Tobias Sammet: Die sind einfach nicht so schön wie ich und müssen das machen. Außerdem ist es entspannter, ich gehe vom Hotel auf die Bühne, die müssen sich erstmal zwei Stunden schminken.

Sie haben in 25 Jahren 17 Alben aufgenommen, sind mit Edguy und Avantasia unterwegs. Haben Sie sich mal verzettelt? 

Sammet: Das ist viel Arbeit und funktioniert nur, wenn man auf sein Herz hört. Klar, es wird auch mal stressig. Deshalb fasse ich nur die Dinge an, die ich zum jeweiligen Zeitpunkt für richtig halte.

Warum bringen eigentlich so viele Metalbands fast im Jahrestakt neue Alben auf den Markt? In anderen Genres wartet man länger auf Neues.

Sammet: Ich mache mir keine Gedanken darüber, in welchem Genre man was macht. Aber natürlich gibt es viele Metalbands, die davon leben. Da ist es schwer, auf das Geld zu verzichten. Das darf aber nicht die Motivation sein, das wäre ein Teufelskreis. Wenn man nur Musik macht, um Geld zu verdienen, leidet die Qualität. Und: Die Fans wissen, dass es gute Gründe hat, wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt. Bei Metallica liegen schnell mal fünf Jahre dazwischen.

Dann ist Ihnen der Druck der Plattenlabels fremd? 

Sammet: In unseren Verträgen steht, die Platte ist fertig, wenn wir sie abliefern. Und wir waren finanziell zum Glück nie so unter Druck, dass wir was Durchwachsenes abliefern mussten.

Wie groß ist der Druck, den Sie sich nach erfolgreichen Platten selbst machen? 

Sammet: Davon muss ich mich frei machen. Klar, der Mensch vergleicht und man möchte sich nicht nach unten bewegen. Künstlerisch macht das keinen Sinn und im Leben geht es nicht immer nur bergauf - es ist ja nicht Olympia.

Wer Musik liebt, hat einen Soundtrack seines Lebens. 

Sammet: Stimmt, den gibt es bei mir auch: Kiss, Dio, White-snake, Def Leppard. Und in letzter Zeit viel Queensryche, weil ich mit Geoff Tate auftrete - als Kind wollte ich so singen wie er. In Wacken stehen wir wieder auf einer Bühne.

Im Radio findet Metal fast nicht statt. Wurmt Sie das? 

Sammet: Ich höre kaum Radio und kann mit der weinerlichen Art dieser Pop-Songwriter nichts anfangen. Tiefgang ist schön, aber da ist alles zu gleichförmig.

Es ist ja nicht so, dass Metalmusik nur Inhalte transportiert. 

Sammet: Das muss Musik nicht. Mir gefällt der kitschige Italo-Rock aus den 80er-Jahren, obwohl ich die Inhalte nicht verstehe. Texte, die ich nicht verstehe, kann ich besser verkraften, als Texte, die ich verstehe und scheiße finde.

Sie stehen bald mit Avantasia in Wacken vor über 80 000 Menschen. Welchen musikalischen Wunsch haben Sie noch? 

Sammet: Ich möchte nur weiter Musik mit meinen Bands machen. Naja, mal im Madison Square Garden in New York spielen, aber ich habe davon kein Poster bei mir zuhause.

Was ist es für ein Gefühl, vor 80.000 Leuten zu stehen? 

Sammet: Nicht so schlimm, wie in der sechsten Klasse vor der Mathearbeit. Würde man meinen Puls messen, wäre der über normal. Die Energie von den Leuten ist total wuchtig. Aber Höhenflüge bekomme ich nicht. Ich weiß, wer zuhause den Müll rausträgt.

Realität ist auch das neue Edguy-Album. Was ist da drauf? 

Sammet: Unsere Karriere verlief positiv turbulent, die Zukunft war aber immer das Wichtigste. Jetzt haben wir uns umgedreht und geschaut, was da so ist. Dazu fünf neue Songs - ein halbneues Album.

Zur Person:

Tobias Sammet (40) lebt mit Frau und Tochter bei Fulda. Seit seinem 14. Lebensjahr macht er Musik und gleich nach dem Zivildienst verschrieb der sich ganz seiner Metal-Karriere. Power-Metal spielt er mit Edguy (seit 1992, hier spielt Tobias Exxel aus Schwalmstadt Bass) und sein Soloprojekt heißt Avantasia (seit 2000). Er hat Millionen Platten verkauft und moderiert mittwochs (21 Uhr) bei Radio Bob in Kassel „Die Tobias Sammet Rockshow“.

Edguy: Monuments (Nuclear Blast) Wertung: vier von fünf Sternen

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