Pro und Kontra zu Michael Jackson nach neuen Missbrauchsvorwürfen

Michael Jackson ein Pädophiler? Kann man seine Songs jetzt noch hören?

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Kann dieses Gesicht lügen? Michael Jackson (1959-2009), der King of Pop.

Michael Jackson war ein skrupelloser Pädophiler. Dieses Bild zeichnet die heiß diskutierte Doku "Leaving Neverland". Kann man die Musik des King of Pop jetzt noch hören? Ein Pro und Kontra. 

Schon vier Wochen vor der Ausstrahlung der Michael-Jackson-Doku „Leaving Neverland“ auf Pro Sieben wird nun auch in Deutschland über den King of Pop diskutiert. Im Film des englischen Regisseurs Dan Reed kommen zwei Männer zu Wort, die als Kinder jahrelang vom US-Superstar missbraucht worden sein sollen.

Der Australier Wade Robson (36) ist heute ein erfolgreicher Tänzer und Choreograf, der auch für Britney Spears arbeitete. James Safechuck (40) hatte Jackson als Kinderschauspieler bei einem Werbedreh für Pepsi kennengelernt.

In der Doku, die der US-Pay-TV-Sender HBO ausgestrahlt hat, erzählen die beiden, wie Michael Jackson (1958-2009) sie glauben ließ, dass Pornos schauen und Geschlechtsverkehr zu einer Freundschaft gehören – bis der Musiker das Interesse an ihnen verlor, weil er andere Kinder bevorzugte.

Dieser Beitrag stammte von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

Gerüchte, dass Jackson Kinder missbraucht hatte, gab es immer wieder. In einem Gerichtsprozess wurde er freigesprochen. Am Ende eines anderen soll er 23 Millionen Dollar an die betroffene Familie gezahlt haben.

Die Vorwürfe, die Gegenstand der Doku sind, haben eine neue Qualität. Für viele sind die Darstellungen glaubhaft. Kann man vor diesem Hintergrund noch Michael Jacksons Lieder hören? Ein Pro und Kontra.

Pro: Jackson bleibt der King of Pop

Wo sind Grenzen zu ziehen, wenn es um Kunst und Moral geht? Und wer soll sie definieren? Muss man alle Caravaggios abhängen, weil der Maler ein Mörder war? Dürfen Gesualdos Madrigale nicht erklingen, weil der Komponist einen Menschen getötet hat? Ich denke: Nein.

Autor und Werk sollte man trennen. Bertolt Brechts Blindheit gegenüber dem Stalinismus war erschreckend, er hat manche Frauen schäbig behandelt, seine „Mutter Courage“ ist trotzdem ein großes Stück. „American Beauty“ bleibt ein toller Film, trotz des Schurken Kevin Spacey in der Hauptrolle. Woody-Allen-Filme sind weiter komisch, obwohl der Regisseur des Missbrauchs beschuldigt wird (wofür er juristisch bislang nicht verurteilt wurde, ebenso wenig übrigens wie Spacey). Große Kunst löst sich irgendwann vom Urheber. Die Michael-Jackson-Enthüllungen sind grauenhaft, die musikalische Bedeutung des King Of Pop schmälern sie nicht.

Von Mark-Christian von Busse

Kontra: Werk und Autor sind nicht zu trennen

1995 sang Michael Jackson im Hit "You Are Not Alone" Zeilen, die einen heute erschaudern lassen. "Du bist nicht allein, ich bin hier mit dir. Obwohl du weit weg bist. Ich bin da, um zu bleiben." Wenn es stimmt, was die mutmaßlichen Opfer des Superstars erzählen, treffen diese Zeilen auch auf den Australier Wade Robson zu. Jahrelang soll Jackson ihn missbraucht haben. Und wenn er gerade nicht in seiner Nähe war, telefonierte er stundenlang mit ihm.

Juristisch gesehen wird Jackson weiter als unschuldig gelten. Toten kann man keinen Prozess machen. Trotzdem wird er in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr nur der King of Pop sein, sondern auch ein skrupelloser Pädophiler. Ohne diesen Gedanken wird man seine großartigen Songs nicht mehr hören können. Werk und Autor lassen sich im Pop nicht einfach trennen. 

Ein Popstar definiert sich nicht nur durch seine Musik, er ist immer auch ein Gesamtkunstwerk. Ohne den Menschen Michael Jackson wäre die Figur Michael Jackson undenkbar. Ähnliches gilt für einen anderen mutmaßlichen Missbrauchstäter. "You Are Not Alone" wurde von R. Kelly geschrieben.

Von Matthias Lohr

Mehr zur Doku "Leaving Neverland" auf Pro Sieben

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