Konzert am 5. September in Kassel

Michael Patrick Kelly: „Ich schreibe keine Autogramme“

+
Singt am kommenden Donnerstag in Kassel: Michael Patrick Kelly.

Früher stand Michael Patrick Kelly mit seiner Familie, der Kelly Family, auf der Bühne. Nach einer sechsjährigen Auszeit im Kloster ist er („iD“) Solo unterwegs.

Am Donnerstag (5. September) tritt er in Kassel beim Messe-Open-Air auf. Ein Interview mit dem Popsänger über Nähe, Familie und Freunde.

Vermutlich gibt es keine Interviewfrage, die Ihnen noch nicht gestellt wurde. Wie schaffen Sie sich so etwas wie eine private Schutzzone?

Tatsächlich rede ich eigentlich nicht viel über mein Privatleben. Ich versuche es zu schützen. Ich gebe natürlich sehr viel von mir über die Songs preis. Ich glaube, viele denken deshalb alles über mich zu wissen. Aber: Ich mache keine Homestorys.

Wie nah kommt man Ihnen tatsächlich?

Die Frage ist, was macht einen guten Song aus? Und die Antwort ist: Drei Akkorde und die Wahrheit. Ich finde, das bringt es auf den Punkt. Ich bin in meinen Songs sehr ehrlich. Aber natürlich gibt es auch fiktive Stories.

Welche Reaktionen bekommen Sie von Ihren Fans auf Ihre Texte?

Ich finde, wir Musiker haben den allerbesten Job: Wir haben das Privileg, den Soundtrack für das Leben vieler Menschen zu schreiben. Ich bekomme Nachrichten von Leuten: „Wir haben zu deinem Song unsere Mutter beerdigt.“ „Wir haben uns zu Shake Away getraut.“ „Dieser Song hat mich davon abgehalten, mir das Leben zu nehmen.“ Dieses Feedback ist einfach unglaublich.

Ihr Vater soll Ihnen geraten haben, den Kopf immer frei zu haben. Wie unabhängig sind Sie?

In all meinen Verträgen steht die Klausel: Der Künstler hat das letzte Entscheidungsrecht. Das ist mir sehr wichtig. Ich habe es auch schon anders erlebt. Die genauen Worte meines Vaters waren: „Keep your spirit free!“ Wenn ich eingeengt bin, breche ich das auf. Genau davon handelt „Shake Away“. Aber ich werde auch schon mal Opfer meiner Pläne. Die Folge: zu wenig Zeit fürs Private. Erholungsphasen sind wichtig.

Wann genau nehmen Sie die? Sie sind auf Tour, arbeiten am Album, sind „The Voice“-Juror, haben „Sing meinen Song“ moderiert, sind Synchronsprecher ...

Ich mache Urlaub, Holidays. Und ich nehme mir Holydays – Einkehrtage in Klöstern. Ich habe an einem Tag der Woche einen Offline-Day. Dann schalte ich mein Handy aus, nutze kein Internet. Das tut gut. Nicht umsonst ist eines der Zehn Gebote, man sollte den Sabbat respektieren.

Wann waren Sie zuletzt in einer Kirche?

Letzten Donnerstag.

Haben Sie auch etwas in den Klingelbeutel getan?

Nein, ich spende zehn Prozent von dem, was ich an Gewinn habe. Es gibt einen Orden, den ich sehr mag, die sogenannte Ghettomönche. Sie arbeiten in den Ghettos dieser Welt und machen eine wahnsinnig gute Arbeit. Das ist meine selbstbestimmte Kirchensteuer.

Musikalisch läuft es sehr gut bei Ihnen. Haben Sie Angst vorm Scheitern?

Ich habe mehr Vertrauen als Angst. Jeder Künstler hat Unsicherheiten, ich eingeschlossen. Ich kenne auch nicht so erfolgreiche Zeiten, in denen habe ich viel schuften müssen. Wenn man sechs Jahre im Kloster war, muss man die Musiker-Muskeln erst wieder trainieren.

Als Sie noch mit Ihrer Familie Musik gemacht haben, standen Sie als Straßenmusiker auch in Kassel.

Das muss etwa Ende der 80er- oder Anfang der 90er-Jahre gewesen sein, daran kann ich mich gut erinnern. Meine Geschwister und ich haben vor einem C&A gestanden, es fuhren Straßenbahnen vorbei und da war eine große Wiese. Es war immer eine gute Stimmung.

Einer Ihrer Songs heißt „Friends Are Family“. Was bedeutet Ihnen Familie?

Familie sucht man sich nicht aus, Freunde schon. Was ich mit diesem Song feiern will, ist die Familie aus Freunden. Die ist unglaublich wichtig. Den Song teile ich bei Konzerten gerne mit meinem Publikum. Er vermittelt ein Gefühl von Freundschaft – auch wenn man sich nicht gut kennt. Übrigens mag ich den Begriff Fans nicht. Ich schreibe auch keine Autogramme.

Warum nicht?

Weil es mich höher stellt. Ich sehe mich aber als einen Menschen unter Menschen.

Also auch keine Selfies mit Ihnen und dem Publikum?

Selfies sind etwas anderes. Die macht man mit Freunden, aber diesen Personenkult mag ich nicht.

Werden Sie in Kassel neue Songs vorstellen?

Ich werde hauptsächlich die Songs aus meinem Album „ID“ performen und es werden auch ein paar Songs von älteren Platten dabei sein, aber noch keine neuen Songs. Ich war in Kalifornien und in Umbrien, dort habe ich mir Zeit für das Songschreiben genommen.

Haben Kalifornien und Umbrien Ihre musikalische ID weiter verändert?

Sie hat sich entwickelt. Für mich steht iD nicht nur für Identität. Es sind die Initialen für „in development“ – sich entwickeln. Das ist ein Grund, warum ich nicht mit meinen Geschwistern auf Tour bin. Natürlich freuen sich die Leute über das Nostalgiegefühl, aber ich wäre als Künstler nicht gewachsen.

Dann sind Sie mit Ihrer Entscheidung glücklich?

Absolut. Hätte ich die letzten zweieinhalb Jahre nicht das gemacht, was ich tat, wäre es für mich eine verpasste Chance gewesen. Es war auch ein Risiko – ich habe vertraut.

Und auf welche Frage warten Sie nach all den Interviews noch?

(lacht) Was mir manchmal fehlt, ist die Frage nach dem Inhalt. Es freut mich, wenn auf einen Song wie „Friends Are Family“ eingegangen wird und ich die Geschichte dazu erzählen kann.

Konzert: 5.9., 19.30 Uhr, Messe Kassel Karten: 0561/203204

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.