Konzertkritik

Auf der Suche nach sich selbst: Michael Patrick Kelly in der Kasseler Stadthalle

Lässt die Vergangenheit als Teenie-Star hinter sich: Michael Patrick Kelly bei seinem Auftritt in Kassel. Foto: Hedler

Gute Songs, guter Sound: Michael Patrick Kelly begeistert beim Tourkonzert in der Kasseler Stadthalle.

Es gibt gute Gründe, Michael Patrick Kelly blöd zu finden. Seine Teilnahme am Forster-Meyer-Landrut-Gekuschel „Sing meinen Song“ zum Beispiel. Sein morriconehaftes Mundharmonikasolo in der Kasseler Stadthalle am Dienstagabend ebenso. Die trillionste Tote-Musiker-Hommage auf den Videoscreens. Und die ganzen großen Lehrbuchgesten, mit denen er das Publikum lenkt in dieser allen männlichen Kellys so eigenen hölzernen Art. Was ihn rettet und das schon lange ausverkaufte Konzert zu einem richtig guten macht, sind seine Songs.

Auch wenn es komisch klingt bei einem, der in der übernächsten Woche seinen 40. Geburtstag feiert: Kelly ist erwachsen geworden. Man muss das bei ihm aus zwei Gründen sagen. Erstens steht er wie kaum ein anderer für eine Teenage-Popstar-Karriere. Wer mit 15 Hallen voller kreischender Fans füllt und mit seiner Familie Hits am Fließband liefert, muss sich den Rest seines Lebens daran messen lassen. Den zweiten Grund liefert der Halb-ire fortwährend selbst. Die Suche nach der eigenen Identität treibt ihn an, ist zentrales Thema der meisten Lieder. Nicht nur auf dem aktuellen, passend betitelten Album „ID“.

Was auf der zu Wochenbeginn gestarteten neuen Tour besonders auffällt, ist der Sound. War Kellys letzter Kassel-Besuch im Oktober vergangenen Jahres in der Elisabeth-Kirche noch mit meditativen, sphärischen Klängen eingebettet in ein Friedensgebet, sägen die E-Gitarren 2017 von Beginn an. „Lazarus“ heißt der Opener, der so laut und brachial ist, dass man sich fragt, ob die fünfjährigen Kinder in der ersten Reihe richtig platziert sind. Gleiches gilt für „A Little Faith“, später für die Radio-Hits „Shake Away“ und „Golden Age“. Über seine frühe Karriere an der Seite seiner Geschwister verliert Kelly in Kassel kein Wort, spielt die 90er-Jahre-Popessenz „An Angel“ früh im Konzert für eine Strophe an. Das reicht für ein paar Fanvideos auf Youtube, nötig ist es nicht.

Stattdessen bezieht er sich immer wieder auf seinen jüngsten Fernseherfolg, covert Mark Forster und Gentleman und lässt letzteren als Teil des Album-Titelsongs per Video auftreten. Dazwischen reihen sich Anekdoten über Einflüsse und Lebensphasen. Kelly posiert für das obligatorische Massenselfie und sucht den Dialog mit den Fans in der ersten Reihe, die sein Konterfei als Häkeldecke verewigt haben.

Für Momente wird er dann wieder zum Helden vorwiegend junger Damen, der er doch eigentlich gar nicht mehr sein möchte. Von Paddy ist Michael Patrick Kelly beim Konzert in Kassel jedenfalls so weit entfernt, wie Robbie Williams von seiner Rolle als Tänzer bei Take That.

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