Der Liedermacher Funny van Dannen überzeugte beim Auftritt im Musiktheater

Mikado mit Spaghetti

Sang ohne Pause durch: Über zwei Stunden unterhielt der Liedermacher Funny van Dannen die Besucher. Foto: Malmus

Kassel. Wenn 60-jährige Männer in grauen Hemden im Takt der Musik wippen und zwei Meter weiter eine Gruppe Teenager lautstark mitgrölt. Wenn 40-jährige Mütter mit zehnjährigen Töchtern im Arm „auch Lesbische, Schwule, Behinderte können ätzend sein“ singen. Wenn Menschen ungläubig den Kopf schütteln, ob der manchmal recht seltsamen Texte. Wenn all das zusammenkommt, dann ist Funny in der Stadt.

Am Donnerstag war der Liedermacher, Schriftsteller und Maler Funny van Dannen im Kasseler Musiktheater zu Gast. 400 Besucher waren gekommen, um sich seine Lieder über menschenverachtende Untergrundmusik, flache Ratten, Schilddrüsenunterfunktion und Wladimir Putins Cousine anzuhören.

Als der 54-Jährige um kurz nach acht die Bühne betrat, dauerte es nicht lange, dann hingen die Besucher an seinen Lippen. Sie sangen mit, schunkelten und hüpften. Ungläubig staunte der, der nur als Anhang mitgeschleppt worden war und vielleicht zum ersten Mal von Funny van Dannen hörte. Wer ist bloß dieser komische Mann auf der Bühne, der da begleitet von Gitarre und Mundharmonika in seinen Texten fordert, beim Mikadospielen mit Spaghetti auf das Genitalfenster und das Dekolleté zu verzichten? Der sich in seinen Liedern über die sexuellen Vorlieben des Bundesadlers auslässt und der die Angst vorm Geköpftwerden an der Ampel besingt?

Funny van Dannen ist wie Jürgen von der Lippe. Nur cooler und noch versauter. Der 54-Jährige begeistert über Generationen hinweg. Das wurde an diesem Abend erneut deutlich. Seine Texte sind mal tiefgründig, mal unter der Gürtellinie und hauen auch mal mitten in die Fresse. Das muss man nicht immer mögen, doch die Fans lieben ihn für seine unverhohlene Art, Ernsthaftes mit Blödelei zu vermischen. Da wird die musikalische Untermalung mit Gitarre und Mundharmonika fast zur Begleiterscheinung – wobei van Dannen auch an den Instrumenten überzeugt.

31 Lieder und nochmal acht als Zugabe mutete der Sänger, der eigentlich Franz-Josef Hagmanns-Dajka heißt, sich und den Zuschauern zu. Und das ganz ohne Pause. Nur ein Schluck Wein musste hin und wieder sein. Dazu ein blaues Hemd, das sich im Verlauf des Abends von Schweiß immer dunkler färbte. Keine Pause und Lieder im Akkord. Viele davon von seinem kürzlich erschienenen Album „Fischsuppe“. Der Lohn für diese Marathonleistung: lang anhaltender Applaus.

Von Jörgen Camrath

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