Mind the Gap-Festival (1. Tag): Die Nordstadt tanzt die Polka

Kassel. Der erste Abend des zweitägigen Mind the Gap-Festivals im Kasseler Nordstadtpark war eine einzige Party. 3000 Zuhörer und Tänzer feierten Shantel, She's all that und sich selbst.

"Der Taxifahrer, der mich vom Bahnhof hierher gefahren hat, hat mir gesagt, die Nordstadt sei ein Problemviertel. Seid Ihr das Problem?" Mit diesen Worten begrüßte Shantel, Frontmann des Bucovina Club Orkestars und König des Balkan-Pop die gut dreitausend Zuschauer im Nordstadtpark und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Es war der Auftakt zu einer fröhlichen, ausgelassenen Party, die mit der Polka "Mahala" begann und 20 Songs später nach sechs Zugaben mit einer Reprise von "Disko Partizani" endete.

Musikalische Osterweiterung

Langsame Stücke sind den Balkan-Poppern fremd.  Auf "Mahala" folgen ohne Pausen oder Ansagen "Authentic" und "Daznazora". Bei letzterem Stück hat Shantel auf der Set-List vermerkt "Beat - kein Intro". Die Party muss schließlich weitergehen. Und das tut sie mit den Hits "Disko Partizani" und "Disko Boy". Stücke, die sich andere Bands nur als Zugaben aufheben würden, spielt Shantel im ersten Drittel seines Sets. 

Bildergalerie:

Impressionen vom ersten Tag des Mind the Gap-Festivals


Die Menge singt "Tsiganizatsia, Tziganizatsia, Disko Disko Partizani" und versucht die Balkanpolka. Die beherrscht die Sängerin des Bukovina Club Orkestars perfekt. Die Dame macht auf der Bühne allerdings nicht nur eine gute Figur sondern beweist mit ihrer Stimme auch, dass sie den Männern im Ensemble ebenbürtig ist.

Am besten kommt Shantels Musik an diesem Abend aber rüber, wenn er musikalische Ausflüge ins Türkische unternimmt.

Eine junge Frau aus dem Publikum springt bei "Süper Bad Day" auf die Bühne, tanzt mit Shantel und zeigt, dass sie alles andere als einen schlechten Tag hat. 

Der Zugabenteil beginnt mit "Bukovina", der anderen großen Hymne des Orkestars und beschert den Fans ein sicherlich unvergessliches Erlebnis: Wer will kann auf die Bühne kommen und mittanzen. Am Ende sind das 30 bis 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wer auf der Bühne keinen Platz mehr findet, tanzt auf den Lautsprecherboxen davor. 

Alle, jetzt noch nicht genug hat, lädt Shantel zu seiner anschließenden Party in der Galerie Loyal (Werner-Hilpert-Straße) ein, wo er auflegen wird.

80er-Jahre Retro und Dance-Core

Nach der musikalischen Osterweiterung geht es zurück in die 80er-Jahre mit ihren Elektro-Beats. Oder ist das der Dance-Core der Zukunft? So genau weiß man das bei She's all that nicht. Das Quartett aus Köln mit den Altherrenmasken überm Gesicht (Sänger Sue Shi: "Wir sind die häßlichste Frauenband Deutschlands") spielt ein ziemlich hartes Brett. Die Menge, die vorher getanzt hat, ist jetzt am Toben und Kopf-nicken Heavy Metal Style.

Drummer Nik malträtiert seine Felle ebenso wie Keyboarder Bastard in die Tasten haut und Sänger Sue Shi animiert das Publikum, lässt sich in die ersten Reihen fallen und spottet: "Also Ihr hier in Kassel trinkt etwas, dass wir in Köln nur als Essen kennen: Kasseler". Das Bier scheint ihm trotz der Kölsch-Affinität zu schmecken. 

Höhepunkte des She's all that-Sets sind die Songs "Oxygene" und "Firefly". Da hält es in dieser Sommernacht keinen mehr auf den Plätzen. Selbst auf der Straße neben dem Park springen die Menschen im Rhythmus der Musik auf und ab.

... und so geht es weiter

Das Mind the Gap-Festival wird heute, Samstag, 25. August, fortgesetzt mit Konzerten von Müller & Friend (15.30 Uhr), Hank und die Shakers (17 Uhr) und Turbostaat (18.30 Uhr). Am Abend um 20 Uhr tritt dann die nächste große Festival-Sensation auf: Panteón Rococóaus Mexiko. 

Zwischen 15 und 20 Uhr gibt es auch noch eine Akustik-Bühne sowie viele Mitmag-Aktionen für Kinder. Mit dem Auftritt der Kasseler Musikerin Ira Atari wird das Festival gegen Mitternacht zu Ende gehen.
(von Wilhelm Ditzel)

Rubriklistenbild: © Ditzel/HNA

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