Weihnachtsstück am Staatstheater: Das russische Märchen „Die verzauberten Brüder“

Nun ist die Hexe besiegt: Valeska Weber (Baba Jaga, in der von Hühnern (Statisterie) bewachten Hütte), Melanie Nawroth (Iwanuschka, von links), Thomas Sprekelsen ( der Bär), Sebastian Klein (Kotofej, der Kater), Christiane Ostermayer (Wassilissa).

Kassel. Wer 13 wird, ist ja schon groß, und somit naturgemäß ein Held. Das ist jedenfalls den Söhnen von Wassilissa sonnenklar. Und wer ein Held ist, der muss hinaus in die Welt ziehen, Abenteuer bestehen.

Was mit den Grünschnäbeln in der russischen Weite passiert, und warum Mama wohl doch die Beste ist, erzählt das kraftvolle Kinderstück „Die verzauberten Brüder“ von Jewgeni Schwarz, das das Staatstheater Kassel als Weihnachtsmärchen in Peter Seuwens abwechslungsreicher Regie zeigt.

Bei der Premiere am Mittwoch im Opernhaus waren die jungen Zuschauer (die Altersempfehlung ab sechs Jahren ist unbedingt ernst zu nehmen) ab der ersten Minute voll konzentriert, und applaudierten am Ende begeistert.

Wassilissa (Christiane Ostermayer voller Kraft und Zartheit) sucht ihre beiden verlorenen Söhne ausgerechnet im Herrschaftsgebiet der Hexe Baba Jaga. Sie schafft es aber, die versklavten Tiere der Hexe auf ihre Seite zu ziehen und mit deren Hilfe die schwierigen Hexenaufgaben zu lösen.

Und wie herzerwärmend diese Tiere gezeichnet sind: Sebastian Klein spielt Kater Kotofej als aristokratischen Grandseigneur, Karin Hahnel gibt dem alten Hund Scharik viel Charakter und noch mehr Liebesbedürftigkeit, Thomas Sprekelsens Bär ist ein Tollpatsch mit Hang zur Selbstüberschätzung.

Tierisch nett auch die Statisterie, die sowohl eine Schar Mäuse mit Lackschühchen und Plüschohren als auch ein Hühnerballett im Tütü spielt. Sehr süß. Die Hühner sind die Assistenten des skurrilen Hexenhauses, für das Bühnenbildner Manfred Breitenfellner eine fahrbare Hütte entworfen hat, in der das Verschlagene der Baba Jaga schon sichtbar wird. Denn die Hütte kann ein riesiges, rotglühendes Auge aufschlagen und hat ein Ohr, um die Pläne Wassilissas zu belauschen.

Sowieso: Baba Jaga. Valeska Weber spielt sie mal zuckersüß-säuselnd, mal keifend, und am Schluss doch hilflos, wenn Wassilissas jüngster Sohn Iwanuschka (Melanie Nawroth voll überschäumendem Draufgängertum) sie mit Trillerpfeife und Steinschleuder aus der Bahn wirft. Auch er will ja ein Held sein - auch wenn er vor kaum etwas mehr Angst hat, als vor warmem Badewasser.

Baba Jaga taucht an jeder Bühnenseite fast gleichzeitig auf, sie wirft Feuer und sieht mit ihren überlangen Krüppelfingern und den sechs Augen besonders gruselig aus (Kostüme: Kathrin Hegedüsch). Doch wenn sie nach spannenden 75 Minuten besiegt ist, die Söhne befreit und die Tiere glücklich, wissen wir: Erst ein starkes Team ermöglicht Heldentaten.

Viele Termine bis ins neue Jahr. Karten: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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