Minimal Music: Mit Kondition und Spielfreude

Beeindruckende Formation: Das durch Gäste erweiterte Ensemble „in process“ eröffnete das Minimal Music Festival. Foto: Hedler

Kassel. Auftakt für Ulli Göttes International Minimal Music Festival: Das mit Gästen erweiterte Ensemble "In process" spielte Steve Reichs „Music for 18 Musicians".

Kassel. Hinein ins Zentrum des Minimalismus, das war das Motto des Eröffnungsabends des zehnten Internationalen Minimal Music Festivals am Freitag im Anthroposophischen Zentrum. Nicht nur, weil Steve Reichs „Music for 18 Musicians“ zu den bekanntesten Werken dieses Genres, ja der neuen Musik überhaupt, zählt.

Das 1976 komponierte Stück vereint die Elemente des Minimalismus in Reinkultur und demonstriert gleichzeitig die Offenheit dieser Musik, Einflüsse anderer Stile zu integrieren. Darüber hinaus beeindruckt die „Music for 18 Musicians“ durch ihre Dauer: Gut eine Stunde werden die Zuhörer dem raschen metrisch-rhythmischen Grundpuls ausgesetzt, ein Hörerlebnis, das einen durchaus in einen tranceartigen Zustand versetzen kann.

Ulli Götte, Gründer und künstlerischer Leiter des Festivals, hatte zum Jubiläum also ein starkes Signal an den Anfang des deutschlandweit einmaligen Festivals gesetzt, das sich diesmal nicht auf wenige Tage beschränkt, sondern als Konzertreihe bis in den März 2017 fortgesetzt wird. So wurde es auch von den begeisterten Zuhörern im fast voll besetzten Saal aufgenommen. Die 18 Musiker - es agierte das durch Gäste erweiterte Stammensemble „in process“ - zeigten nicht nur eine beeindruckende konditionelle und Konzentrationsleistung, sondern ließen die Zuhörer auch an ihrer offensichtlichen Spielfreude teilhaben.

Die Besetzung wird dominiert von der Marimba-Sektion, dazu kommen Streicher, Holzbläser, Piano und vier Frauenstimmen, die textlos wie Instrumentalisten agieren. Das aus elf nahtlos ineinander übergehenden Sektionen plus Eingangs- und Schlussteil bestehende Werk erscheint wie ein riesiger Klangteppich, dessen klangliche Dichte, farbliche Zusammensetzung und rhythmische Muster sich ständig wandeln. Hineingewoben sind afrikanische Rhythmen ebenso wie polyfone Elemente und Anklänge an die balinesische Gamelanmusik. Ein intensives Klangerlebnis, das mit jubelndem Beifall quittiert und von den Musikern mit einem witzigen Händeklatsch-Stück beantwortet wurde.

Das Festival wurde am Samstag durch ein Konzert mit dem Schweizer Musiker und Komponisten Nik Bärtsch samt Freunden fortgesetzt.

Von Werner Fritsch

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