Auftritt in Korbach

Mirja Boes: „Ich bin nerdartig authentisch“

Es gibt Momente, in denen fühlt sich Komikerin und Sängerin Mirja Boes wie Céline Dion. Immer, wenn das so ist, wird sie rot im Gesicht. Von diesen Momenten und darüber, ob sie für Geld alles tun würde, wie es der Titel ihres Programms vermuten lässt, sprach sie mit unserer Zeitung.

Frau Boes, Ihr neues Programm heißt „Für Geld tun wir alles!“. Was würden Sie für kein Geld der Welt tun?

Mirja Boes: Viel. Das Schmerzensgeld, was man mir für etwas zahlen müsste, hinter dem ich nicht stehe, wäre sehr hoch. Meine Söhne würden sagen: eine-Million-Trilliarden-Unendlich.

Und warum dann der Programmtitel?

Boes: Meine Band, die Honkey Donkeys, hat sich im alten Programm immer zum Larry gemacht. Die Leute durften auf Zettel schreiben, was die Band für entwürdigende Dinge tun musste. Diesmal gibt es die Zettel in Form von Honkey-Dollars. Das Publikum wünscht sich wieder etwas. Zum Beispiel, dass die Band wie ein Hund bellen soll.

Wie weit geht das? Würde sich die Band ausziehen?

Boes: Nein, es soll ja ein schöner Abend bleiben. Das lassen wir bleiben.

Sie sagen, Ihr berufliches Leben war wie eine Drehtür...

Boes: Es waren oft kurze Jobs. Bei McDonalds, in der Pommesbude, als Gabelstaplerfahrerin. Es scheiterte oft an meiner Unfähigkeit, meiner Nicht-Kernkompetenz der Geduld und meiner leichten Reizbarkeit. Ich bin für die Dienstleistungsbranche nicht so gut geeignet.

Sie behaupten, die Zuschauer werden aus Ihrem Schaden klug. Wie das?

Boes: Man lernt viele Dinge, von denen man nicht wusste, dass man sie wissen wollte. Männer erfahren, warum Frauen schwachsinnige Dinge kaufen. Wenn eine Frau das nächste Mal etwas anschleppt, von dem der Mann sagt, dass sie es nicht brauchen und sie sich dann an mein Programm erinnern - kichernd statt streitend - habe ich richtig was geschafft.

Wann haben Sie zuletzt etwas Schwachsinniges gekauft?

Boes: Es kann nicht länger als 24 Stunden her sein. Da bin ich die Königin. Es waren kleine Teller mit Reh, Eichhörnchen, Igel und Fuchs drauf. Ich habe die doppelte Menge gekauft. Denn was mache ich, wenn meine zwei Söhne je einen Teller mit Reh wollen? Jetzt haben wir acht Teller. Es sind aber nur zwei Kinder.

Dann ist Ihr Programm eine Parodie Ihres Alltags?

Boes: Es sind in der Tat alles meine Geschichten, so ist mein Leben. Da nehme ich kein Blatt vor den Mund und bin nerdartig authentisch. Es kommt darauf an, wie man das Leben betrachtet. Sieht man es von einer fröhlichen Seite, hat es viele lustige Momente.

Haben Ihre Eltern irgendwann mal gesagt: Mirja jetzt reicht es, Glied und Flittchen sagt man nicht?

Boes: Ne, ne! Meine Mutter hat den Spruch geprägt: „Wer täglich einmal Scheiße schrie, erspart die Psychotherapie.“ Es gab bei uns früher ein Schweinchen, in das wir fünf Pfennig werfen mussten. Meinen Jungs rutschen auch mal Unflätigkeiten raus, dann üben wir: „verflixt nochmal“.

Sie holen Publikum auf die Bühne. Gibt es sichere Plätze?

Boes: Nein, die gibt es nicht. Ich bekomme jeden auf die Bühne, aber niemand soll leiden. Der Kunde ist König. Klar, als Mann ist man etwas in den Hintern gekniffen, aber das ist halt so.

Comedy und Musik, es gibt jetzt beides in Ihrem Programm. Geht es zurück zu Ihren Wurzeln als Sängerin Möhre?

Boes: Das trifft es zum Teil. Ich kann jetzt beides vereinen. Manchmal sage ich zur Band, wenn es gleich einen lauten Knall gibt, bin ich vor Glück auf der Bühne explodiert. Und wenn jemand nach einem Auftritt zu mir sagt, ich hätte schön gesungen, werde ich rot. Dann fühle ich mich wie ein 14-jähriges Mädchen mit der Rundbürste vorm Spiegel und denke, ich wäre Céline Dion.

Céline Dion und auch einige Ihrer Comedy-Kollegen füllen Stadien, ist das ein Ziel für Sie?

Boes: Ich bewundere die Menschen, die das tun und habe großen Respekt. Aber ich will das Gefühl haben, dass ich jeden aus dem Publikum mal angepackt haben könnte.

Und wann haben Sie das letzte Mal etwas für umsonst gemacht?

Boes: Es ist gut, dass ich einen Manager habe, sonst würde ich für einen Sack Zwiebeln überall hingehen. Klar, man muss Geld verdienen um zu leben. Aber das Geld steht nicht im Vordergrund. Das ist auch für die Seele gut.

• Termin: Samstag, 12. November, Mirja Boes und die Honkey Donkeys mit „Für Geld tun wir alles!“, Korbach, Stadthalle.

Mirja Boes ist 45 Jahre, sie wurde in Viersen geboren. Sie hat unter anderem Musical in Leipzig studiert und wurde 2001 als Sängerin Möhre mit dem Partyhit „20 Zentimeter“ bekannt. Außerdem ist sie regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Unter anderem spielte sie in der Comedysendung „Die Dreisten Drei“ mit und hatte mit „Ich bin Boes“ ihre eigene Comedy-Sendung. Sie gewann vier Mal den „Deutschen Comedypreis“, zuletzt 2015 in der Kategorie „Beste Comedy-show“. Boes hat zwei Söhne, lebt in einer Beziehung und wohnt in Köln. Unser Bild zeigt sie mit ihrer Band Honkey Donkeys.

Rubriklistenbild: © dpa

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