ARD, 20.15 Uhr

Interview: Miroslav Nemec über den Münchner „Tatort“ heute Abend

Das Oktoberfest ist nicht ihre Welt: Die Münchner „Tatort“-Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) auf der Wiesn. Foto: br

Das Münchner Ermittlerduo Ivo Batic und Franz Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) ist das „Tatort"-Team mit den meisten Einsätzen. Das Gespann ist seit 1991 im Einsatz ist und löst am Sonntag seinen 70. Fall.

In der Jubiläumsfolge „Die letzte Wiesn“ (Regie: Marvin Kren, Buch: Stefan Holtz, Florian Iwersen) ermitteln die beiden auf dem Oktoberfest, das heute beginnt - ein Unbekannter vergiftet „Wiesn“-Besucher mit GHB (Liquid Ecstasy) in der Maß. Wir sprachen mit Nemec (61).

Herr Nemec, ist Ihr Kennenlernen Anfang der 90er mit Udo Wachtveitl wirklich so frostig verlaufen, wie es die Legende behauptet?

Miroslav Nemec: Ich wusste, dass ein neues Team für den Münchner „Tatort“ im Gespräch ist. Als es zu einem Treffen kommen sollte, rief mich der Udo an, den ich aus dem Synchronstudio kannte. Er sagte: „Ich bin eingeladen und hab gehört, du bist auch eingeladen. Wir sollen beide zum Essen kommen und gegeneinander antreten. Wie findest du das?“ Ich antwortete: „Ich finde das scheiße, aber unser Job besteht nun mal aus Konkurrenz. Da gemma hin, da gibt’s umsonst was zu essen.“ Das ist meine Art von Humor, weil ich aus kleinen Verhältnissen komme.

Und dann kam es zur Konfrontation?

Nemec: Es war in einem Biergarten in Schwabing. Wir waren beide etwas reserviert. Udo zieht mich bis heute auf und sagt: „Du hast auf Bayerisch ein alkoholfreies Bier bestellt, das fand ich besonders furchtbar.“ Jeder wollte der Bessere sein. Bis die gesagt haben: „Wir wollen euch beide haben.“ Da haben wir gedacht: Da hätten wir uns den ganzen Scheiß auch sparen können. Und dann haben wir ein ordentliches Bier bestellt.

Heute sind Sie Freunde?

Nemec: Natürlich, wir reisen im Herbst wieder nach Kroatien - das würde man sonst nicht tun.

Würden Sie auch allein weitermachen, wenn Udo Wachtveitl aussteigt?

Nemec: Nein, uns gibt es nur zu zweit. Wenn ich unterwegs bin, bekomme ich auch oft zu hören: „He, wo ist denn der Kollege?“

Kam der Humor in letzter Zeit nicht etwas zu kurz?

Nemec: Das stimmt und hatte mit den Themen zu tun. Man hatte Angst, die Ernsthaftigkeit durch Späße zu beeinträchtigen. Aber Udo und ich wollen wieder mehr Humor.

Bekommen die beiden Kommissare irgendwann mal wieder Freundinnen?

Eine Kritik des "Tatorts" finden Sie am Sonntag um 21.45 Uhr auf der Startseite von HNA.de

Nemec: Die Redakteurin, die Batic und Leitmayr erfunden hat, sagte einmal zu uns: „Jungs, ihr seid die Projektionsfläche für die Zuschauerinnen, also: keine Freundinnen!“ Dabei bleibt’s.

Was bedeutet es Ihnen, dass Sie einer der ersten Ermittler mit ausländischen Wurzeln waren?

Nemec: Das war wichtig für mich und für meine Landsleute. Damit meine ich nicht nur Jugoslawen, sondern auch Türken, Spanier und Griechen. Leute aus der Gastarbeitergeneration. Ich bin in ihren Augen einer von ihnen, der es in Deutschland geschafft hat. Das ist eine Bestätigung, die sie stolz macht und vielleicht auch anspornt.

Was denken Sie über den Hype um den „Tatort“?

Nemec: Für die Zuschauer wirkt der Tatort gemeinschaftsstiftend und man hat montags ein Thema, über das man reden kann. Ich persönlich möchte während der Ausstrahlung aber nicht twittern. Entweder man guckt „Tatort“ oder man macht was anderes.

Zur Person: Geboren: am 26. Juni 1954 in Zagreb. Nach der Scheidung der Eltern kam Nemec mit zwölf zu Verwandten nach Freilassing.

Ausbildung: Musikstudium am Mozarteum in Salzburg, Schauspielakademie in Zürich. Vor dem „Tatort“ spielte er vor allem Theater.

Privates: Der Vater zweier Töchter lebt mit seiner Familie in München.

Von Cornelia Wystrichowski

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