Kabarettist Bruno Jonas über den Beratungswahn, den Abstieg der Bazis und den Überflieger Guttenberg

„Misstrauen ist die bessere Basis“

Bruno Jonas ist einer der Altmeister des politischen Kabaretts in Deutschland. Auf dem Bildschirm macht er sich seit seinem Ausstieg aus dem ARD-Klassiker „Scheibenwischer“ Ende 2008 rar. Dafür füllt er mit seinem Programm „Bis hier her und weiter“ die Hallen. Wir sprachen mit dem 57-Jährigen vor seinem Auftritt am 4. Februar in Vellmar.

Herr Jonas, in Ihrem Programm sagen Sie: „Wenn einer weiß, dass er nichts wissen kann, und trotzdem so tut, als könnte er was wissen, dann ist er wahrscheinlich ein Depp - oder ein Berater.“ Was machen Unternehmensberater falsch?

Bruno Jonas: Aus ihrer Sicht machen sie alles richtig. Sie schauen aufs Geld. Das ist oft nicht so falsch. Aus Sicht des Unternehmers. Ich kenne allerdings Unternehmen, denen es ohne Berater besser ergangen wäre. Heute setzen aber nicht nur Firmen auf Berater. Es gibt Verkaufsberater, Steuerberater, Ernährungsberater, Haarberater, Jenseitsberater. Es gibt kaum noch Menschen, die ohne Beratung auskommen.

Wir leben in einer spezialisierten Gesellschaft, in der man lieber Fachleuten vertraut als sich selbst.

Jonas: Ja, es gibt eigentlich nur noch Experten. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Leute, die keine Ahnung haben von nichts. Darum müssen wir immer öfter Berater vertrauen, die behaupten, Bescheid zu wissen. Nehmen Sie die Finanzkrise: Bevor alles zusammenkrachte, haben die Leute den Finanzberatern vertraut, die Banken haben den Rating-Agenturen vertraut und die den Mathematikern. Ein Vertrauen hat das andere Vertrauen gehypt. Letztlich war alles nur Spekulation, bis die Vertrauensblase geplatzt ist. Misstrauen ist die bessere Basis für Geschäfte, auch in der Politik. Wenn ein Politiker mit dem Slogan werben würde „Bitte misstrauen Sie mir“, hätte er womöglich mehr Chancen, gewählt zu werden.

Derzeit vertrauen die Wähler vor allem Karl-Theodor zu Guttenberg. Wann wird der CSU-Politiker Bundeskanzler?

Jonas: Als Kanzler sehe ich ihn in absehbarer Zeit nicht. Aus der CSU kommen keine Bundeskanzler. Interessanter finde ich die Frage, warum er so gut ankommt.

Warum kommt er so gut an?

Jonas: Er ist ein ganz anderer Politikertyp, als er bislang in Bayern vorherrschend war. Jahrzehntelang war vor allem der Bazi beliebt. Der hatte Vertrauen bei den Wählern, weil er ein bisschen unverschämt war, dabei charmant blieb und andere mit Bauernschläue hinters Licht führen konnte. Selbst wenn ein Bazi etwas im strafrechtlich relevanten Sinne angestellt hatte, war man ihm oft nicht böse. Man hat ihn einen Hund genannt, was ein großes Lob war. Der ideale Bazi war Franz-Josef Strauß. Bei der Affäre um die Bayerische Landesbank haben die Bayern aber die Erfahrung gemacht, dass andere noch schlauer sind, die Österreicher zum Beispiel. Nun nehmen sie den Bazis übel, dass sie die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Dann taucht einer wie Guttenberg auf, der so gar nicht dem traditionellen Lederhosenbazi entspricht. Er gibt den weltläufigen Geschäftsmann, der auch mal Nein sagen kann und dadurch schon kompetent wirkt.

Mit so einer Rolle kann man doch gar nicht scheitern. Also wird er doch Bundeskanzler.

Jonas: Vielleicht hat er tatsächlich Chancen, weil er kein Bayer ist, sondern Franke. Der letzte Franke, der es in das Bundeskanzleramt geschafft hat, war Ludwig Erhard. Ist aber auch nicht sehr erfolgreich gewesen als Kanzler.

Sind Sie als Kabarettist zufrieden mit dem derzeitigen politischen Personal in Berlin?

Jonas: Ich bin hochzufrieden. Das Angebot ist sehr reichhaltig. Manchmal komme ich gar nicht hinterher mit der Verarbeitung des Stoffes.

Bruno Jonas: Bis hierher und weiter. Donnerstag, 4. Februar, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Vellmar-Frommershausen. Karten unter 0561/203-204 und 0561/ 8617 893.

Von Matthias Lohr

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