Mister Metal Udo Dirkschneider rockt auch mit 62

Deutsche Metal-Legende: Udo Dirkschneider bei einem Auftritt 2013 in Moskau, wo er besonders populär ist. Foto: dpa

Udo Dirkschneider hat den Metal in Deutschland miterfunden. Mit 62 rockt der Mann aus Solingen immer noch und blickt auf eine lange Karriere zurück.

Wenn der Metal-Musiker Udo Dirkschneider redet, klingt er manchmal wie Andy Borg. Der 62-Jährige sagt, dass seine Fans durch die Musik ihre Sorgen vergessen sollen und er ihnen „eine schöne Zeit bereiten“ will. Das sind auch die Ziele des Musikantenstadls.

Metal ist die Volksmusik für den kleinen Mann, der es etwas lauter mag, im Grunde aber genauso konservativ ist wie die Blasmusik-Fans. Wahrscheinlich ist Udo Dirkschneider genau deshalb so erfolgreich. Er macht seit mehr als 40 Jahren und 25 Studioalben dieselbe Musik. Mit seiner Band Accept hat er in den 70ern den deutschen Hardrock miterfunden.

Nun hat er mit seiner Formation U.D.O. „Decadent“ aufgenommen, das auch 1985 oder 1998 hätte erscheinen können. Es gibt krachende Gitarren, harte Breaks, ein treibendes Schlagzeug und diese einzigartige Reibeisenstimme, die so klingt wie eine Kreissäge, die sich durch Metall frisst.

„Wir machen einfach Songs“, sagt Dirkschneider. Und das ist gut so. Eine Band muss nicht ständig das Rad neu erfinden. Manchmal gibt ihm sein HNO-Arzt Tipps für die Stimmbänder. Bislang funktionieren sie wie eine gut geölte Maschine.

Dabei hat der gebürtige Solinger einiges erlebt in seiner langen Karriere. Erst absolvierte er im elterlichen Betrieb eine Lehre als Werkzeugmechaniker. Die Firma übernahm dann sein Bruder. Udo schaffte den Durchbruch mit Accept. Er sah, wie Musikerkollegen an Drogen starben. Und als die Band massenkompatibler werden und noch mehr Platten als die Scorpions verkaufen wollte, verließ er die Gruppe.

In den 90ern gab es eine kurze Wiedervereinigung. Heute lassen die Accept-Mitglieder schon mal ein Hallenverbot gegen Dirkschneider aussprechen, wenn sie für dasselbe Festival gebucht sind. Und der Ex-Frontmann sagt, dass er vom letzten Accept-Album nur zwei Songs gehört habe.

Der zweifache Familienvater, der mittlerweile auf Ibiza lebt, hat ja auch genug zu tun. Mit seiner international besetzten Band tourt er durch Südamerika und Osteuropa, wo er besonders populär ist. „Der Westen konsumiert mehr, im Osten wird die Musik noch gelebt“, sagt Dirkschneider, der sich in seinen Texten kritisch mit der „dekadenten reichen Oberschicht“ und lügenden Politikern auseinandersetzt. Anders als in der Volksmusik gibt es im Metal keine heile Welt.

Auch deswegen macht Dirkschneider weiter. Sein 21-jähriger Sohn ist gerade als Schlagzeuger in die Band eingestiegen. Beim legendären Wacken-Festival im Sommer wollen U.D.O. zusammen mit einem Bundeswehrorchester auftreten. Sie haben auch schon überlegt, gemeinsam durch Osteuropa zu touren, aber Bundeswehrmusiker in Russland sind derzeit vielleicht nicht die beste Idee.

U.D.O.: Decadent (AFM Records). Wertung: vier von Sternen

Von Matthias Lohr

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