Marco Comin über Brittens „Sommernachtstraum“

Sommernachtstraum am Staatstheater: „Mit einem Akkord eine Welt eröffnen“

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Marco Comin

Kassel. Es ist eine Literaturoper im klassischen Sinne, die Benjamin Britten (1913-1976) mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ (A Midsummer Night’s Dream) geschrieben hat.

Für Marco Comin, den Ersten Kapellmeister am Staatstheater, der am Samstag die Kasseler Premiere dirigiert, kommt es vor allem darauf an, die unterschiedlichen Welten deutlich zum Klingen zu bringen: Die Welt des Elfenkönigs Oberon, die Welt der Liebenden und die der theaterspielenden Handwerker.

„Manchmal braucht Britten nur einen einzigen Akkord, um die Tür zu einer neuen Klangwelt aufzustoßen“, sagt Comin, der sich als großer Bewunderer des Komponisten offenbart, seitdem er - noch zu Hochschulzeiten - Brittens „Albert Herring“ als erste Oper dirigierte. „Bei all den Wechseln ist es wichtig, den musikalischen Fluss aufrechtzuerhalten“, sagt Comin. Dabei stellt die sehr transparent angelegte Musik hohe Anforderungen an die vielfach solistisch geforderten Musiker.

Wobei die Sänger (es sind annähernd 20 Partien besetzt) davon profitieren, dass Britten - wie Mozart - immer kantabel, also für die Stimmen schrieb.

Eine Besonderheit des 1960 uraufgeführten Stücks ist die Besetzung der Oberon-Rolle mit einem Countertenor. Comin weist allerdings auf einen entscheidenden Unterschied zu den Barock-Partien, die heute mit Countertenören besetzt werden, hin. Diese seien ursprünglich von Kastraten gesungen wurden, während Britten den Oberon explizit für Counter geschrieben hat. „Britten wollte, dass diese im Falsett gesungene Partie wie nicht von dieser Welt wirkt“, sagt Comin. In Kassel wird Michael Hofmeister als Gast den Oberon singen. Er war hier schon als Edgar in Aribert Reimanns „Lear“ zu hören.

Britten hat es offen gelassen, ob der Elfenchor dieser zauberhaften Oper mit Knaben- oder Frauenstimmen besetzt wird. „Wir haben uns für den Frauenchor entschieden“, sagt Comin, der „nicht nur ätherisch, sondern auch sinnlich klingt“. Sicher passend, wenn Titania den brummigen Zettel am Eselskopf kratzt.

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Dirigent: Marco Comin. Regie: Nadja Loschky. Karten: Tel. 0561 / 1094-222. Direktübertragung auf Radio HR2.

Von Werner Fritsch

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