Der Kabarettist Sebastian Schnoy über die Macken der Deutschen und sein Programm „Hauptsache Europa“

„Mit dem Handtuch reservieren“

Ist er der nächste Eckart von Hirschhausen? Der wissenschaftliche Kabarettist Sebastian Schnoy. Foto: nh

Sebastian Schnoy ist „Deutschlands schrägster Historiker“ - sagt jedenfalls Sebastian Schnoy. Am Samstag gastiert der Historiker und Kabarettist aus Hamburg mit seinem Programm im Vellmarer Piazza. Wir haben vorab mit dem 40-Jährigen gesprochen.

Ihr Programm heißt „Hauptsache Europa“. Haben Sie ein europäisches Lieblingsland?

Sebastian Schnoy: Es zieht mich wie fast alle Menschen in den Süden, aber ein Lieblingsland habe ich nicht. Jedes Land hat seinen Reiz, so konnte man bis vor Kurzem in Litauen das letzte Atomkraftwerk der Bauart Tschernobyl besichtigen. Jetzt wurde es abgeschaltet, gerade noch rechtzeitig, bevor es die Unesco zum Weltkulturerbe erklären konnte. Egal wo man hinreist, reisen bildet und ist das beste Mittel gegen Vorurteile. Oder man bekommt sie bestätigt.

Aber Sie sagen, Hamburg sei die schönste Stadt der Welt.

Schnoy: Das sage ich nur den Hamburgern. Wenn ich in Vellmar spiele, ist das wieder anders. Nein im Ernst: Natürlich ist Hamburg sehr schön, aber ich lebe dort mit einer Französin zusammen und wir überlegen, vielleicht nach Lausanne zu ziehen. Ich würde gern noch einmal woanders leben. Das hat mir immer viel Inspiration gegeben.

Worum geht es in Ihrem Programm?

Schnoy: Es ist ein vergnüglicher Streifzug durch die 27 EU-Staaten und ihr Blick auf uns Deutsche. Ich erzähle dabei auch von den Macken der verschiedenen Völker. So behaupten die Briten, Brüssel habe 1980 versucht, den Rechtsverkehr in Großbritannien einzuführen, übergangsweise nur für Lkw.

Welche Macke haben denn die Deutschen?

Schnoy: Deutsche sind immer besorgt und glauben an eine große Verschwörung, nebenbei reservieren sie alles mit Handtüchern, das macht keine andere Nation. Italiener glauben deshalb, ein Deutscher sei nur Papst geworden, weil er sein Handtuch auf den Heiligen Stuhl gelegt hat.

Sie erzählen auch, die Österreicher seien die Nachfahren der Fußlahmen, die bei den Völkerwanderungen an den Hängen der Alpen liegen geblieben sind. Können die Österreicher selbst darüber lachen?

Schnoy: Ja, die Österreicher sind Kummer gewöhnt. Schon Thomas Bernhard, Wiener Dramatiker, bezeichnete seine Landsleute als „Geschöpfe der Agonie“. Die große Zeit des Alpenstaates ist halt lange vorbei, nur wenige erinnern sich daran, wie meine Oma. Als jüngst im Fernsehen Fußball lief, fragte sie mich, wer spiele, und als ich sagte „Österreich - Ungarn“, rief sie: „Ja gut, aber gegen wen?“

Die Zeitung „Die Welt“ hat Sie den „Guido Knopp des Kabaretts“ genannt. Wie lassen sich trockene Geschichtszahlen und Kabarett verbinden?

Schnoy: Indem man unterhaltsame und absurde Momente in der Geschichte sucht. Aber es gibt auch ernste Stellen im Programm, und die Leute mögen es, wenn sie etwas lernen.

Eckart von Hirschhausen ist von der Medizin zur Comedy gekommen, Sie sind Historiker. Ist Wissenschafts-Comedy in?

Schnoy: Es ist auf jeden Fall ein Trend. Die Leute wollen lachen und unterhalten werden, aber in diesen Fällen ist eben auch Tiefgang dahinter.

Sebastian Schnoy: Paris-London-Hongkong: Hauptsache Europa. Samstag, 27. Februar, 20 Uhr, Vellmar, Piazza, Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204 sowie unter 0561/8617-893.

Von Maren Schultz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.