Mitreißende Wucht: Lichtenberg-Schüler führten „Schöne neue Welt“ auf

Ein tolles Theatererlebnis: Gedimmtes Licht, Videoeinspielungen und Musik brachten eine zumeist düstere Atmosphäre. Foto: Fischer

Kassel. Wie von Stromschlägen gepeitscht, zucken die Tanzenden. Begriffe wie Gewalt, Tod, Terror schleudern sie wütend in den Raum und erstarren in der nächsten Minute.

Sie gehören nicht zur Gesellschaft dieser schönen neuen Welt. Sie können fühlen, ihr Leben bestimmen, Kinder bekommen. Aber sie werden verachtet.

1932 kam der Zukunftsroman „Brave New World“ des Briten Aldous Huxley (1894-1963) heraus. Die Schüler des Darstellendes-Spiel-Kurses Q4 des Lichtenberg-Gymnasiums haben sich unter der Leitung von Nikolaos Lampos die Frage gestellt: Ist Huxleys neue Welt die Utopie einer wünschenswerten Gesellschaft? Die Antwort gaben sie am Dienstag im bestens gefüllten Theatersaal mit einer atmosphärisch fesselnden, fast zweistündigen Inszenierung ihres Stücks „Schöne neue Welt“.

Auf den ersten Blick ist Huxleys Welt gar nicht so übel. „Frieden, Stabilität und Glück“ werden angestrebt. Wer nach mehr Befriedigung giert, der bekommt die Stimmungsdroge „Soma“. Makaber: Der Nachwuchs wird in Reagenzgläsern gezüchtet, nach wirtschaftlichem Bedarf geklont. Eine gefühlsarme Klassengesellschaft ist die Folge.

Doch es existiert eine andere Zivilisation: „Die Wilden“. Sie leben in „Reservaten“. Menschen, die natürlich altern und Kinder selbst zur Welt bringen. Die Konflikte sind programmiert.

Fazit: Ein tolles Theatererlebnis. Das Licht, fast beständig gedimmt, gab dem Saal die Atmosphäre eines Gewölbes. Die Darsteller zeigten intensive Präsenz. Die Stimmungsbilder hatten mitreißend-exzessive Wucht. So bei einem orgiastischen Tanz, bei dem Schwarzlicht die auf die Körper gemalten Farben leuchten ließ. Videosequenzen und suggestiv einwirkende Musik machten das Ganze perfekt. Die Besucher flankierten das Geschehen auf der Spielfläche und wurden Teil der großartigen Inszenierung. Lang anhaltender Applaus.

Wieder am 22.2., 25.2,, 27.2, und 1.3., 19.30 Uhr.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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